Der BAP fragt – Experten antworten

Wohin wird sich die Zeitarbeit entwickeln, vor welchen Herausforderungen steht die Branche und ist sie bereit dafür? Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus?

In unserer Video-Interview-Reihe befragen wir Arbeitsmarktexperten, Politiker und Branchenvertreter zu aktuellen Entwicklungen in der Zeitarbeit und auf dem Arbeitsmarkt.   

Der Rechtswissenschaftler Raimund Becker war von 2004 bis März 2019 in verschiedenen Vorstandsposten der Bundesagentur für Arbeit tätig - zuletzt war er als Vorstand Regionen u.a. für die zehn Regionaldirektionen der Bundesagentur verantwortlich. Für BAP-Hauptgeschäftsführer Thomas Hetz war die gegenseitige Zusammenarbeit mit Becker „stets produktiv und fruchtbar.“ Die Arbeit Beckers, betonte Hetz, sei ein wesentlicher Faktor dafür gewesen, dass „die Zusammenarbeit zwischen dem BAP, der Zeitarbeit insgesamt und der BA mittlerweile sehr erfolgreich verläuft.“ Zustimmend bekräftigt Raimund Becker:  „Die Zeitarbeit ist als wichtiges Instrument für den Arbeitsmarkt in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag, um Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen.“ Daher sei er sich sicher, dass die enge Zusammenarbeit zwischen BAP und BA auch künftig fortgesetzt werde. Ein Indiz für die Fortführung der guten Zusammenarbeit ist die Teilnahme von Beckers Nachfolger im BA-Vorstand, Daniel Terzenbach, bei der BAP-Veranstaltung Regionalkonferenz SÜD am 03.07.2019 mit einem eigenen Redebeitrag.

... und seine Einschätzungen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz

„Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist mitunter ein Baustein, den Fachkräftemangel in Deutschland zu bewältigen ... es [ist] ein Schritt in die richtige Richtung ..., weil ein paar Verbesserungen damit einhergehen, wenngleich auf der anderen Seite aber auch ein paar Hemmnisse bleiben. Es dreht sich um die deutsche Sprache und das Thema Anerkennungsverfahren. ... Dennoch: Partnerschaftsabkommen und die Anstrengungen, die Anerkennung von Leistungen in Drittstaaten ins Inland zu verlagern, sind schon Schritte in die richtige Richtung.“

„Dass wir nicht zustimmen dürfen als Bundesagentur, wenn jemand aus Drittstaaten in der Zeitarbeit arbeiten möchte, hat einen historischen Grund. Man will verhindern, dass Menschen zu Dumpingpreisen beschäftigt werden. Die Zeitarbeit ist aber nicht nur eine Beschäftigungsform, sondern auch eine Branche. Und im Entwurf des Zuwanderungsgesetzes gibt es nun keine Restriktionen der Branchen mehr, das heißt, jeder, der irgendeine Ausbildung hat, kann hier arbeiten. Es wird herauszufinden sein, was das für die Zeitarbeit bedeutet. Momentan ist das politische Umfeld noch nicht bereit dazu, diesen großen Schritt zu gehen ... .“

... zur Thematik Vorrangprüfung

„Es wäre wichtig, diese Regelung zu verlängern, weil das zwei Dimensionen hat: Zum einen weniger Bürokratie, weil die Vorrangprüfung entfällt. ... Auf der anderen Seite führte es aber auch zu einer besseren Integration von geflüchteten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt. Um eine Zahl zu nennen: Etwa 8500 Menschen, die das Asylverfahren noch nicht durchliefen, also nur eine Aufenthaltsgestattung hatten, sind im letzten Jahr in den ersten Arbeitsmarkt eingemündet, davon 3000 in der Zeitarbeit. Also spielt sie hier definitiv eine Rolle. Sollte man daraus nun aber wieder ein Bürokratiemonster machen, wird der Aufwand steigen und die Chancen einer gelungenden Integration dieser Menschen während der ersten, entscheidenden 14 Monate sinken.“

„Die Bürokratie steigt, weil in jeder Agentur wird wieder die Vorrangprüfung gemacht. ... Wir haben 2015 knapp zehntausend Versagungen von Beschäftigungsverhältnissen gehabt, weil eine Vorrangprüfung stattfand. Im letzten Jahr waren es noch 120. Sie sehen allein daran, wie das den Zugang in den Arbeitsmarkt reguliert. Diese nun nicht zu verlängern würde für Menschen, die einen Asylantrag gestellt haben, bedeuten, dass sie während der ersten Zeit noch nicht arbeiten dürfen. Das heißt: Die Bürokratie nimmt zu und die Perspektiven der Einmündung während der ersten Zeit in den Arbeitsmarkt schwinden.“

... zur Rolle der Zeitarbeit bei der Arbeitsmarktintegration

„Bei der [Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, Langzeitarbeitslosen und Geringqualifizierten] hat Zeitarbeit eine große Bedeutung hat und eine große Rolle, auch wenn man die Entwicklung der letzten zehn Jahren sieht. Wir wissen, dass Langzeitarbeitslose und gering qualifizierte Menschen zu etwa 20 Prozent über die Zeitarbeit eine Arbeitsplatzchance bekommen. Bei den geflüchteten Menschen war zu erwarten, dass sich die Zeitarbeit sehr stark um sie kümmern würde. Fast ein Drittel dieser Menschen bekommen ihre erste Arbeitsmarktchance über die Zeitarbeit. ... die Zeitarbeit unterstützt diese Menschen und kümmert sich auch um die Integration. Also sieht man hier durchaus, dass Zeitarbeit einen großen Wert hat.“

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Doris Droste
Doris Droste
Leiterin Abteilung Presse, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

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