Wege zu mehr Fachkräften: Unterschiedliche Vorstellungen innerhalb der Union

Bei der Behebung von Fachkräfteengpässen setzt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Studienabbrecher und qualifizierte Zuwanderer. So werde sich die Bundesregierung dafür stark machen, dass Studienabbrecher eine verkürzte Berufsausbildung absolvieren können, kündigte Merkel an. Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland setzt die Kanzlerin außerdem auf qualifizierte Zuwanderer. Laut Nachrichtensender „ntv“ erklärte Merkel, die offizielle Anerkennung von im Ausland absolvierten Ausbildungen sei ein wichtiger Schritt. Damit könne es vielen Menschen besser gehen, „und gleichzeitig können wir den Fachkräftemangel beheben.“

Dem gegenüber dämpft der Arbeitnehmerflügel der Union den Ruf nach mehr Zuwanderung. Ein Teil des Fachkräftemangels lasse sich auch im Inland stillen, kritisierte Peter Weiß (CDU), Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: Die Unternehmen sollten nicht immer nur nach mehr Zuwanderung rufen. „Die Wirtschaft ist vielmehr gut beraten, sich erst einmal in den eigenen Reihen nach potenziellen Fachkräften umzuschauen“, erklärte Weiß gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“.

Hintergrund dieser Kritik sind Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die der Zeitung vorliegen. Danach haben rund 2,6 Millionen der in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigten keinen beruflichen Abschluss. Insbesondere im Südwesten gebe es ein riesiges Potenzial zur Gewinnung von Fachkräften. Weiß beanstandete, dass das Förderprogramm „Wegebau“ der BA, bei dem Mitarbeiter ohne Berufsabschluss zu Facharbeitern qualifiziert werden, von der Wirtschaft schlecht angenommen werde. Rund 130 Millionen Euro Fördergelder, die dafür zur Verfügung gestellt wurden, seien ungenutzt geblieben und wieder zurück in den Etat der BA geflossen.

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