Studie zu modernen Arbeitsmärkten

Zeitarbeit stützt den Wandel

Fortschrittliche Rahmenbedingungen für Zeitarbeit machen Arbeitsmärkte insgesamt effizienter. Die positiven Effekte der Branche strahlen so auf die ganze Volkswirtschaft aus. Das zeigt eine internationale Untersuchung der Boston Consulting Group für den Weltverband der Zeitarbeit, Ciett.

Zeitarbeit reduziert die Arbeitslosigkeit und ermöglicht es den Arbeitsmärkten, sich an neue Situationen anzupassen.

Verfügt die Branche dabei über politische Rahmenbedingungen, die ihr ausreichend Raum für Weiterentwicklung bieten, schneidet sie besonders gut ab.

Staaten ohne Regelwerk oder nur mit Regularien, die die Branche behindern, liegen auf den hinteren Plätzen. Dies sind die Kernergebnisse einer internationalen Untersuchung zur Zeitarbeit ("Adapting to change") durch die Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Weltverbandes der Zeitarbeit, Ciett.

Die Formel "moderne Rahmenbedingungen = erfolgreiche Entwicklung" mag aus Sicht einer Branchenstudie noch folgerichtig erscheinen – neu sind vor allem die indirekten positiven Effekte der Arbeitnehmerüberlassung: Denn Personaldienstleister, die in ihrer Arbeit nicht eingeengt werden, und ein effizienter Arbeitsmarkt verleihen der Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Volkswirtschaft insgesamt einen Schub. Mit dem neu entwickelten "Arbeitsmarkt-Effizienz-Index" hat die Studie herausgearbeitet, dass es eine direkte Korrelation gibt zwischen der Arbeitsmarkteffizienz und den Werten, die ein Land im OECD-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit erhalten hat.

Zu den "reifen Märkten", in denen der gesetzliche Kontext regelmäßig an die Anforderungen der Arbeitsmärkte angepasst wird, gehört laut Studie auch Deutschland – neben Industriestaaten wie den Niederlanden, Schweden, den USA, Dänemark, Großbritannien, Australien oder Frankreich. Schlechte Werte haben dagegen die Türkei, Argentinien, Chile, Griechenland, Luxemburg und Spanien erzielt.

Triebkraft für mehr Beschäftigung

Mit dem Report "Adapting to change" für den Weltverband Ciett hat die BCG erstmals weltweit Zeitarbeitsmodelle verglichen. Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) ist in dieser Organisation, wie auch im europäischen Pendant Eurociett, als einziger deutscher Zeitarbeitsverband vertreten. Die Autoren haben dabei vor allem die landesspezifischen Bedingungen und deren Folgen für die Leistungsfähigkeit der Branche untersucht: Von Chile bis Japan, von Südafrika bis Estland wurden die Rolle der Zeitarbeit und ihr Nutzen – vor allem auch im Vergleich mit anderen Flexibilisierungsinstrumenten – unter die Lupe genommen, hunderte Studien zusammengetragen und neue Indizes entwickelt. Fazit: Zeitarbeit ist eine zentrale Triebkraft für mehr Beschäftigung, denn sie ermöglicht eine besonders gute Anpassung an den Wandel. So haben die Zeitarbeitsfirmen seit Mitte 2009, dem Tiefpunkt der Wirtschaftskrise, bis Mitte 2011 mehr als 900.000 zusätzliche Jobs allein in Europa geschaffen, in Deutschland waren es mehr als 260.000.

Die BCG hat weiterhin beschrieben, welche Rolle Personaldienstleister in vielen Ländern dabei spielen, die Anpassung an saisonale, zyklische oder strukturelle Veränderungen der Volkswirtschaft erfolgreich zu meistern. In anderen Ländern hingegen verhindern unangemessene und unausgewogene Rahmenbedingungen, dass die Branche zur Angleichung an den Wandel beiträgt. Oft kann sich die Zeitarbeitsbranche dort nicht auf einen klaren und stabilen rechtlichen Rahmen verlassen, weil ihr spezifischer Mechanismus – mit dem typischen Dreiecksverhältnis von Kundenunternehmen, Zeitarbeitnehmern und Zeitarbeitsunternehmen – nicht anerkannt ist. Auf anderen Märkten wiederum arbeiten Personaldienstleister innerhalb eines Regulierungsrahmens, der für den heutigen, substanziell gewandelten Arbeitsmarkt nicht mehr geeignet ist. Dazu gehören Einschränkungen bei den Dienstleistungen und den Arbeitsverträgen, Branchenverbote oder eine zu kurze Höchstdauer von Einsätzen.

Der weltweite Vergleich zeigt: Mit der Mischung aus stabilem Gesetzesrahmen und eigenständigen Tarifvereinbarungen, das heißt, mit angemessenen Regeln, ist die Branche in Deutschland bisher gut gefahren. Dennoch muss die Benachteiligung gegenüber anderen Branchen abgebaut werden. Vor allem aber darf Zeitarbeit nicht wieder unattraktiver gemacht werden. Denn dann würden alle verlieren: Die deutsche Wirtschaft und – vor allem geringqualifizierte – Arbeitnehmer.

Wirksames Instrument für mehr Jobs

Wie die Ciett/BCG-Studie beschreibt, ist Zeitarbeit in weiten Teilen Europas als ein wirksames Instrument anerkannt, um eine Erstbeschäftigung zu finden. Angesichts des Nutzens der Zeitarbeit für Volkswirtschaft, Arbeitsmarkt, Kunden und Zeitarbeitnehmer ziehen die Autoren ein eindeutiges Resümee: Zeitarbeit sollte direkt in die Entwicklung einer aktiven Arbeitsmarktpolitik einbezogen werden. Die Zeitarbeit als eigenständige Branche muss daher weiterhin die Freiheit haben, Tarifverhandlungen zu führen und die Arbeitsbedingungen für Zeitarbeitnehmer auszuhandeln.

Fazit: Zeitarbeit ist wichtiger Baustein des Arbeitsmarkts Zeitarbeit ermöglicht also die Anpassung an sich wandelnde Arbeitsmärkte, reduziert die Arbeitslosigkeit und die Segmentierung der Arbeitsmärkte und trägt dazu bei, die richtigen Qualifikationen für den Arbeitsmarkt zu finden. Damit ist sie "decent work", wie es in der Studie formuliert wird. Übersetzt ins Deutsche ergibt dies genau das, was Gewerkschaften mit ihrem Begriff "gute Arbeit" fordern. Zwar gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Märkten auf allen fünf Kontinenten. Wird Zeitarbeit aber nicht eingeschränkt, ist sie ein Motor für die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen.

  • Der BAP hat die Kernergebnisse der Studie in der ersten Ausgabe seines neuen BAP-Formats "Parlamentarierbrief" dargestellt. Das PDF können Sie auf dieser Seite herunterladen.
  • Die englischsprachige Studie "Adapting to change" steht zum Herunterladen zur Verfügung.






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Gesa Kok
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