Mit Weiterbildung das Arbeitskräftepotenzial erschließen:

Vier Unternehmensbeispiele aus dem BAP-Ausschuss „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“ zeigen, wie die Branche dem Fachkräftemangel begegnet

Es waren schwere Gewitter vorhergesagt, doch das störte Sonja Cammerer an jenem 1. September vergangenen Jahres wenig. Denn für sie ging ein Traum in Erfüllung. Die 18-Jährige konnte ihre Ausbildung beginnen – in einem klassischen Männerberuf. Seitdem arbeitet die junge Frau als Zerspanungsmechanikerin. Sie setzte sich gegen 25 männliche Bewerber durch.

Aber das ist nicht das einzig Besondere an ihrer Geschichte. Ihr Arbeitgeber ist das Zeitarbeitsunternehmen persona service. Alle Kosten für die Lehre trägt der Personaldienstleister. Entsendet ist Sonja Cammerer in ein Automobilindustrie-Zulieferunternehmen. „Sie hat den Kunden und uns durch ihre hervorragenden fachlichen Voraussetzungen sowie durch ihre Persönlichkeit überzeugt“, sagt der persona-service-Niederlassungsleiter im schwäbischen Waiblingen, Roland Ostertag.

In dem hochspezialisierten Betrieb arbeitet die Realschulabsolventin drei Wochen im Monat. Die vierte Woche geht sie zur Berufsschule – mit den übrigen beiden Azubis aus dem Unternehmen. „Es ist alles genauso wie bei den anderen – nur dass ich eben bei einem Zeitarbeitsunternehmen angestellt bin“, sagt Sonja Cammerer. Ein Kooperationsvertrag zwischen dem Kundenunternehmen und persona service regelt die Rahmenbedingungen sowie den Ablauf der dreieinhalbjährigen Ausbildung.

„Zukunftsvertrag Zeitarbeit“ als Vorreiter

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, ergreifen immer mehr Personaldienstleister Qualifizierungsmaßnahmen und Weiterbildungsoffensiven. Diese Spannbreite reicht von TÜV-geprüften Zertifizierungen bis eben hin zur Schaffung von Ausbildungsplätzen. Vorreiter dieser Entwicklung ist der „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“.

Die sogenannte Verbundausbildung, wie sie Sonja Cammerer absolviert, ist daher ein Bestandteil des Aus- und Weiterbildungskonzeptes des Ausschusses: Die Zeitarbeitsunternehmen bilden junge Menschen in Kooperation mit den Kundenbetrieben aus. Diese werden finanziell und organisatorisch entlastet. Damit erhöht sich ihre Bereitschaft, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Am 1. März 2011 trat zur Verbundausbildung sogar ein Letter of Intent in Kraft. Die Bundesagentur für Arbeit, große Zeitarbeitsunternehmen, die Arbeitgeberverbände der Zeitarbeitsbranche, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie der Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft haben verabredet, die Aktivitäten der Personaldienstleister in diesem Bereich zu unterstützen.

Denn das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte entwickelt sich zunehmend zu einem Problem der deutschen Wirtschaft und der boomenden Zeitarbeitsbranche. Jeden siebten Euro des Aufschwungs erarbeiteten 2010 die Personaldienstleister mit ihren Arbeitnehmern. 15 Prozent des Wirtschaftswachstums gingen auf ihr Konto. Dabei stellen die Zeitarbeitsunternehmen nur rund zwei Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland. Rund 50.000 Stellen sind hier frei und können trotz intensiver Suche nicht besetzt werden.

Demnächst fehlen fünf Millionen Arbeitskräfte

Das Problem wird sich weiter verschärfen. Steuert niemand gegen, werden 2030 laut einer Studie des Prognos-Institutes zwischen Rhein und Oder insgesamt mehr als fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen. Schon jetzt ist das Phänomen augenscheinlich. Von 81 Millionen Einwohnern gehen nur 41 Millionen einer Beschäftigung nach.

Um diese Quote zu erhöhen, gibt es genug Luft nach oben. Dies hat der „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“ analysiert. Sein Konzept zur Überwindung der Beschäftigungslücke macht Weiterbildung und Qualifizierung als das A und O bei der Lösung des Problems aus.

Viele Menschen aus bildungsfernen Milieus erhalten beruflich vor allem über die Zeitarbeit eine Chance. Mehr als 60 Prozent der Zeitarbeitnehmer kommen direkt aus der Arbeitslosigkeit. Personaldienstleister investieren inzwischen viel Geld in die Weiterbildung ihrer Angestellten.

Denn die ist für die Aktivierung des vorhandenen, aber nicht ausgeschöpften Erwerbspotenzials von großer Bedeutung. Insbesondere ältere Arbeitnehmer ab 55, jüngere unter 25 Jahren, Frauen, bereits in Deutschland lebende Migranten und zu einem geringeren Teil auch schwerbehinderte Menschen sind unterdurchschnittlich häufig sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Mit Hilfe von Qualifizierungen könnte man dieses Reservoir für den Arbeitsmarkt erschließen.

Ältere, qualifizierte Arbeitnehmer bilden ein großes Reservoir

Die über 55-Jährigen gehen zwar inzwischen zu 56 Prozent arbeiten. Dies entspricht einer Zunahme von 18 Prozentpunkten über die vergangenen zehn Jahre. Allerdings ist dies im internationalen Vergleich immer noch relativ wenig. In Schweden zum Beispiel liegt die Beschäftigungsquote der Älteren bei sieben von zehn.

Auf diesem Gebiet zeichnet sich also ein großes Potenzial ab – zumal gerade diese Generation bereits über Know-How und Lebenserfahrung verfügt, die die Zeitarbeitsbranche braucht. Ab Mitte 50 werden Menschen jedoch oft in den Vorruhestand und in Altersteilzeit geschickt. „Die Zeitarbeitsbranche kann hier aufgrund ihrer arbeitsmarktpolitischen Integrationsfunktion einen wichtigen Beitrag leisten“, heißt es in dem Konzept. Schon jetzt beschäftigen viele Personaldienstleister ältere Arbeitnehmer und überlassen sie Kunden, die deren Qualitäten sehr schätzen. Dem Fachkräftemangel begegnet die Branche hier also bereits.

Sechs Millionen Frauen sind nicht berufstätig

Die Waiblinger Auszubildende Sonja Cammerer gehört zu einer weiteren großen Gruppe, die erheblich zur Beschäftigungslücke beiträgt: Frauen. Die jüngeren von ihnen sind heutzutage so gut qualifiziert wie nie zuvor. Ihr Studium schließen deutlich mehr von ihnen ab als Männer. Dennoch sind weniger von ihnen beschäftigt. Die Erwerbstätigenquote aller Frauen liegt deutliche zehn Prozent unter derjenigen der Männer. 6,3 Millionen Frauen im erwerbsfähigen Alter sind nicht berufstätig. Und von den erwerbstätigen Frauen gehen überhaupt nur wenig mehr als die Hälfte einer Vollzeitbeschäftigung nach. Folge: Deutschland belegt unter den EU-15-Staaten hier den vorletzten Platz.

Das Konzeptpapier des „Zukunftsvertrages Zeitarbeit“ hat erkannt, dass die Arbeitsmarktsituation der Frauen „oft nicht einfach“ sei. Viele wüssten nicht, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen sollen. Daher fordert der Ausschuss „flexible Übergänge“. Diese könnten vor allem durch Zeitarbeit geleistet werden. Teilzeitangebote werden hier für Frauen maßgeschneidert.

Darüber hinaus engagieren sich die Mitgliedsunternehmen des „Zukunftsvertrages Zeitarbeit“ inzwischen sehr stark darin, Frauen bei der Familienbetreuung zu unterstützen. Sie haben Betriebskindergärten eingerichtet, die innovative Verbindung von Zeitarbeit und Elternservice ins Leben gerufen und der Kinderbetreuung insgesamt einen großen Stellenwert eingeräumt. Einige dieser Beispiele sind in den beigestellten Kästen zusammengefasst.

Anerkennung von Auslands-Abschlüssen verbessern

Auch für Ausländer kann die Zeitarbeit integrativ wirken. Für viele bedeutet sie einen ersten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Migranten sind von Arbeitslosigkeit viel stärker betroffen als Deutsche. Das liegt zum einen an fehlenden Qualifikationen. Zum anderen aber liegt die Ursache dafür auch darin, dass Bildungsabschlüsse aus ihren Herkunftsstaaten vielfach nicht anerkannt werden.

Hier ist die Politik gefordert, die mit dem vor zwei Jahren vorgelegten „Anerkennungsgesetz“ zwar einen ersten Schritt gemacht hat. „Das Gesetz greift jedoch zu kurz“, kritisiert der „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“. Es beschleunige zwar das Anerkennungsverfahren. Die unterschiedliche Handhabe in den einzelnen Bundesländern bleibe jedoch bestehen. Dieses Hindernis müsse beseitigt werden, fordert der Ausschuss.

Darüber hinaus sind die bürokratischen Hürden für zuwandernde qualifizierte Ausländer auf dem Arbeitsmarkt immer noch sehr hoch. Sie dürfen in der Regel nicht in der Zeitarbeit tätig werden. Es sei denn, sie sind besonders hoch qualifiziert. Um die Arbeitskräftelücke zu schließen, setzt sich der BAP-Ausschuss „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“ für eine gesteuerte Zuwanderung von Arbeitsmigranten ein.

Mehr Anreiz für den Einsatz Schwerbehinderter schaffen

Auf einem anderen Gebiet ist die Zeitarbeitsbranche ebenfalls aktiv geworden. Sie hat bereits Konzepte zur Eingliederung schwerbehinderter Menschen entwickelt. Denn auch bei der Erwerbsquote dieser Gruppe können noch Fortschritte gemacht werden. Vielfach hat deren Handicap nämlich kaum oder sogar gar keine Auswirkungen auf ihre Leistungsfähigkeit im Beruf. Um hier das Potenzial voll ausschöpfen zu können, sollte der Gesetzgeber tätig werden. Er könnte den Anreiz von Kundenunternehmen zum Einsatz schwerbehinderter Zeitarbeitnehmer erhöhen. So wäre eine „Anrechnungsmöglichkeit auf die Schwerbehindertenabgabe nach dem Sozialgesetzbuch IX“ vorstellbar, schreibt der „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“ in seinem Konzept.

Zeitarbeit als Chance für Schulabbrecher

Optimierungsmöglichkeiten bietet auch das Potenzial bei den jüngeren Arbeitnehmern unter 25 Jahren. Die Geburtenzahlen sind rückläufig, die Zahl der Schulabbrecher dagegen steigt. Bei einer Halbierung dieser Quote könnten dem Arbeitsmarkt bis 2025 rund 300.000 junge Menschen zusätzlich zur Verfügung stehen. Dies hat die Bundesagentur für Arbeit errechnet.

Auch hier bietet die Zeitarbeit eine hervorragende Möglichkeit, um diese Gruppe für den Arbeitsmarkt zu erschließen. Denn sie stellt für viele junge Menschen ein Sprungbrett dar. Die Branche bietet ihnen die Chance, in viele unterschiedliche Bereiche hineinzuschnuppern. Junge Leute können sich ausprobieren und praktische Erfahrungen sammeln, bevor sie sich endgültig festlegen. Gerade diese Erfahrungen erweisen sich für das spätere Berufsleben meist als sehr wertvoll. Auch Sonja Cammerer wollte zunächst „irgendetwas mit Tieren“ machen – bis sie vor ihrer Ausbildung die Metallindustrie kennenlernte.

Während Unternehmen oft davor zurückschrecken, Bewerber mit schlechten oder sogar gar keinen Abschlusszeugnissen einzustellen, führen die Personaldienstleister diese Menschen an den Arbeitsmarkt heran. Sie schulen sie und machen sie fit für das Berufsleben. Junge Leute mit Schulabschlüssen  – wie Sonja Cammerer – erhalten sogar Ausbildungsplätze.

Hier finden Sie die Beispiele von vier Mitgliedern des BAP-Ausschusses „Zukunftsvertrag Zeitarbeit“:

•    DIS AG
•    Manpower
•    Randstad
•    I.K. Hofmann

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Doris Droste
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