IW Köln: Sinkende Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Abwanderung einfacher Arbeit?

Seit der Wirtschafts- und Finanzkrise konnten sich die Deutschen über kräftige Reallohnzuwächse freuen. Die Produktivität hingegen wuchs nur langsamer. Langfristig könnten beide Entwicklungen zusammen negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft haben. Die erhöhte Lohndynamik wiederum könnte zu einer Abwanderung „einfacher Arbeit“ führen, warnt das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in einer aktuellen Analyse.

Vor der Finanzkrise„liefen Produktivitäts- und Lohnentwicklung noch Hand in Hand“, so das Institut. Die Effektivlöhne (Tariflöhne und Extras) entwickelten sich mit durchschnittlich 3,3 Prozent je Stunde ähnlich wie die Produktivität, die um 3,7 Prozent zulegte. Parallel dazu befand sich die Inflation mit insgesamt 6,5 Prozent auf einem höheren Niveau als heute, sodass Arbeitnehmer weniger von den Lohnzuwächsen hatten. Erst mit der Finanzkrise 2008 wuchsen die „Tarifverdienste je Stunde um fast 17 Prozent und die Effektivlöhne um nahezu 21 Prozent“, während die Produktivität nur um etwas mehr als vier Prozent zunahm, schreibt das IW Köln. Gleichzeitig erhöhten sich die Verbraucherpreise lediglich um 8,4 Prozent, sodass sich Arbeitnehmer über ein „sattes Reallohnplus“ freuen konnten.

Auf lange Sicht berge diese Entwicklung Risiken, warnt das Institut, auf der einen Seite für die Beschäftigung und auf der anderen für die Wettbewerbsfähigkeit. Sobald „die Löhne schneller zulegen als die Produktivität, steigen die Lohnstückkosten“, so das IW. Dies habe „die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft in den vergangenen Jahren zweifellos verschlechtert. Werden deutsche Produkte zu teuer, werden sie im In- und Ausland auch weniger nachgefragt.“ Gleichzeitig warnt das IW Köln angesichts der Lohndynamik davor, dass einfache Arbeit abwandern könnte, wenn sie in Deutschland zu teuer wird. Wie das Institut anhand des IW-Zukunftspanels ermittelte, könnten insbesondere einfache Dienstleistungen ins Ausland verlagert werden. Damit würde „die Zahl der Beschäftigten im Inland in den kommenden fünf Jahren unter dem Strich abnehmen, im Ausland dagegen deutlich zulegen“, so das IW.

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Gesa Kok
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