"Die Zeitarbeit wird weiter wachsen" - Prognosen von Arbeitsmarktexperten auf dem BAP-Arbeitgebertag 2012

Ausgewiesene Experten zur Zeitarbeit diskutierten im zweiten Teil des Arbeitgebertages 2012 ihre Erkenntnisse und die künftigen Trends in den Personaldienstleistungen. Die BAP-Mitglieder erfuhren viele Hintergründe zu ihrer Branche und zu deren wahrscheinlicher Entwicklung.

So hat Sven Astheimer, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen, die Reflexion der Personaldienstleister in den Tageszeitungen anhand intensiver Archivarbeit ausgewertet. Er konnte letztlich eine gewisse Entwarnung geben: „Die Tendenz ist, dass sich die Aufregung etwas legt.“ Zwar seien gute Nachrichten über die Zeitarbeit immer noch „schlecht zu verkaufen“, aber Einzelfälle, die der Journalist auch „Skandalfälle“ nannte, würden in der Öffentlichkeit nicht mehr so hoch gekocht wie noch vor Jahren und nicht mehr derart generalisiert.

Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, forscht auch zur Zeitarbeit. Er präsentierte den BAP-Mitgliedern vier Ergebnisse seiner Arbeit. Demnach werde die „Arbeitgeber-Attraktivität“ künftig eine deutlich wichtigere Rolle spielen als noch heute. Dies sei dem durch die demographische Entwicklung vorgegebenen kommenden Arbeitskräftemangel geschuldet. Außerdem habe sich der Arbeitsmarkt beruhigt. Seit 2005 sei die Arbeitslosenzahl von durchschnittlich fünf auf heute unter drei Millionen gefallen. Gleichzeitig prägten flexible Beschäftigungsformen den Arbeitsmarkt stärker als früher. Kaum eine Branche sei derart „konjunkturell anfällig“ wie die Zeitarbeit: „Wir konnten jedoch ihre Brückenfunktion nachweisen“, sagte Walwei, der bereits seit 24 Jahren am IAB arbeitet. „Es kann gezeigt werden, dass Zeitarbeit eine Brücke von der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung ist. Allerdings ist sie noch keine Brücke in andere Branchen.“

Holger Schäfer vom Hauptstadtbüro des Institutes der deutschen Wirtschaft Köln sprach zunächst über die Schwierigkeit einiger Arbeitnehmer, den Begriff Zeitarbeit richtig zu definieren. So hätten sich in einer Studie mit 20.000 Befragten drei Mal so viele Beschäftigte als Zeitarbeitnehmer bezeichnet wie es tatsächlich gebe. Offenbar verwechselten vor allem befristet Angestellte hier die Begriffe. Dabei sei Zeitarbeit in der Regel ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, das weder „atypisch noch prekär“ sei. Er sei erstaunt über die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten für Zeitarbeitnehmer, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Schäfer bescheinigte der Branche, „große Anstrengungen, die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern zu entwickeln“. Auch er blickte kurz in die Zukunft und prognostizierte, „die Zeitarbeit wird weiter wachsen“. Allerdings werde dieses Wachstumspotenzial anders als heute vor allem „im Bereich der Akademiker und Höchstqualifizierten“ liegen.

Dr. Anja Mengel, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus der Kanzlei Altenburg in Berlin beklagte in ihrem Fachgebiet eine immer politischere Justiz. Es gehe bei Entscheidungen vor dem Bundesarbeitsgericht gerade zur Zeitarbeit nicht mehr ausschließlich um rechtswissenschaftliche Aspekte. Die Urteile seien „begleitet von einer Presse, die auch Richter beeinflusst“. Inzwischen ergingen Entscheidungen, „die früher so niemals ergangen wären“. Ein wichtiges Thema sei hier der vorgebliche „Schutz der Stammbelegschaft“. Die promovierte Juristin forderte die Zeitarbeitgeber auf, „in die Gerichtssäle zu gehen und zu kämpfen“. Wer wegen möglicher Niederlagen Angst vor Richtern habe und diese deswegen meide, „kann auch keine Siege erringen“. Anja Mengel beobachtet, dass auch vor Gericht die „Liberalisierung zurückgedreht wird“. Die Fachanwältin sieht das äußerst kritisch: „Die extreme Regulierung führt zu juristischem Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen.“

Sebastian Lazay, Vizepräsident des BAP, nahm den Ball auf. In einem erfolgreichen Unternehmer stecke das „Erkennen großer Trends“, sagte er. Und die Flexibilität des Arbeitsmarktes sei ein solch großer Trend. Inzwischen bestehe Einigkeit, dass die auch von Anja Mengel konstatierte Überregulierung herrsche. Er prognostizierte, dass die Kampagnen gegen die Zeitarbeit abnehmen werden: „Der Druck für die Gewerkschaften ist aus dem Thema langsam raus.“ Damit spielte Lazay auch auf die Tarifverträge an, die der BAP zuletzt abgeschlossen hatte.

Abschließend sprach Professor Ricarda B. Bouncken über den „Personaldienstleister von morgen“. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Strategisches Management und Organisation an der Universität Bayreuth entließ die BAP-Mitglieder mit der durch eine Studie gewonnenen Erkenntnis, dass die Kundenunternehmen vor allem zwei Ziele verfolgten: „Personalflexibilisierung und Auslagerung von Personalfunktionen“. Zeitarbeitgeber sollten daher über die Flexibilität hinaus vor allem im Bereich Human Ressources Dienstleistungen anbieten. Denn, so die Wissenschaftlerin, „ein guter Dienstleister ist auch ein guter Berater“.

Der  Abend klang für die Teilnehmer, die Zeitarbeitgeber und deren Gäste beim BAP-Sommerfest in der Landesvertretung Bremen aus. Dort wurde noch lange weiter über die „Zukunft der Zeitarbeit“ und den lebendigen Arbeitgebertag diskutiert.

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Tobias Hintersatz
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