„Die Folgen für die Volkswirtschaft und Geringqualifizierte sind offen“

BAP-Präsident zu den Branchenzuschlägen im Interview

Der BAP hat gemeinsam mit dem iGZ den wegweisenden Tarifvertrag über Branchenzuschläge mit der IG Metall verhandelt. In einem Interview mit der Personalwirtschaft (10/2012) gibt BAP-Präsident Volker Enkerts seine Einschätzung zu den Folgen dieses Abschlusses.


Personalwirtschaft: Sie haben die politische Forderung nach Equal Pay unter Tarifpartnern gelöst. Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Tarifabschlüssen über Branchenzuschläge?

Volker Enkerts: Wir hatten uns im Frühjahr schweren Herzens für die Tarifverhandlungen mit den Einzelgewerkschaften entschieden – damit wir eben selbst über die Konditionen in unserer Branche befinden können. Wir sind zufrieden, dass uns dies bislang für die wichtigsten Branchen gelungen ist.

Konnten Sie auch Ihre Mitgliedsfirmen davon überzeugen, dass der wegweisende Abschluss mit der IG Metall, der ja de facto ab 1.11.2012 zu einer Verteuerung ihrer Leistungen führen wird, für die Zukunft der Branche wichtig ist?

Volker Enkerts: Natürlich ist niemand begeistert, dass sich die tariflichen Rahmenbedingungen für unsere Branche verschlechtern, wobei wir jedoch heute schon oft über Tarif oder sogar Equal Pay bezahlen – da wir sonst gar nicht das passende Personal bekommen würden. Dies liegt dann aber am prosperierenden Arbeitsmarkt und wird nicht künstlich erzeugt. Allerdings wäre jede gesetzliche Regelung ein Dammbruch in der deutschen Tariflandschaft gewesen, der obendrein noch teurer ausgefallen wäre – ganz abgesehen davon, dass eine entsprechende Kommission Spielball populistischer Interessen geworden wäre. Und wir sollten uns nichts vormachen: Eine gesetzliche Regelung wäre immer ein Equal Treatment geworden. Wir konnten also unseren Mitgliedern vermitteln, dass wir das Beste aus der Situation gemacht haben. Erinnern wir uns: Das Thema ist nur durch einen Kuhhandel über Hartz IV auf die Agenda der Bundespolitik gesetzt worden.

Was wird sich für die Kundenunternehmen ändern?

Volker Enkerts: Wie die genauen Konsequenzen, ja auch Ausweichreaktionen in den Unternehmen sein werden, das weiß niemand. Auch die Folgen für die Volkswirtschaft, vor allem aber für Geringqualifizierte, sind noch offen. Natürlich wird Zeitarbeit unterm Strich teurer – und auch bürokratischer, denn schließlich gelten für jede Branche andere Zuschläge. Auf der anderen Seite gibt es Branchen, für die sich kaum etwas ändern wird, da wir heute auch schon über Tarif anderer Flächentarife bezahlen. Das ist aber je nach Region, Unternehmen und Branche verschieden. Ich warne allerdings sehr nachdringlich davor, die Branchenzuschlagstarife mit Tricks umgehen zu wollen, auch wenn Kunden dies wünschen. Dies hätte erneut katastrophale Auswirkungen auf das Image der Zeitarbeitbranche.

Neben den Lohnerhöhungen droht von einer zweiten Seiten Ungemach für Ihre Mitgliedsunternehmen. Die IG Metall hat in ihrem jüngsten Flächentarifvertrag durchgesetzt, dass Zeitarbeitskräfte nach 24 Monaten Einsatzzeit vom Kundenunternehmen übernommen werden müssen. Unternehmen wie Airbus oder BMW in Leipzig haben daraufhin schon reagiert und den Anteil der Zeitarbeit reduziert. Was sagen Sie dazu?

Volker Enkerts: Selbstverständlich stört es uns, wenn Dritte über unsere Branche entscheiden, und auch, wenn wir Personal verlieren. Dennoch dürften sich die konkreten Auswirkungen nicht großartig von der aktuellen Situation unterscheiden. Denn schon heute gibt es massive Übernahmen durch die Kunden, allein 300 000 Zeitarbeitnehmer im vergangenen Jahr – und dies in der Regel zu früheren Zeitpunkten als erst nach 24 Monaten. Trotzdem ist die Übernahme kein Automatismus und auch kein Nullsummenspiel. Auch das muss in die Kalkulation mit eingepreist werden.

Wird sich der Stellenwert der Zeitarbeit in den Personalplanungen der Unternehmen zukünftig ändern?

Volker Enkerts: Unsere Branche wird sich anpassen müssen – dies sind wir aber seit jeher gewohnt. Die Zeitarbeit behält ihre Bedeutung, denn der Bedarf nach Flexibilität wird groß bleiben. Ich erinnere daran: Deutschland ist in Sachen Zeitarbeit immer noch ein Entwicklungsland. Auch in den nächsten Jahren werden Volkswirtschaft, Gesellschaft und Arbeitnehmer von Zeitarbeit profitieren – Abstriche müssen vor allem Geringqualifzierte machen. Dafür tragen die Bundespolitik und die Gewerkschaften die Verantwortung.

Das komplette Interview können Sie hier nachlesen.

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Doris Droste
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