OECD-Qualifizierungsbericht: Ausnahmestellung für Deutschland bei Ausbildungssystem und Beschäftigungslage

Eine Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ergeben, dass Deutschland mit Blick auf das Duale Ausbildungssystem und die Beschäftigungslage eine Ausnahmestellung inne hat: OECD-Generalsekretär Angel Gurría, der laut „Welt“ sogar von Paris nach Berlin gekommen war, um die jüngste Studie seiner Organisation vorzustellen, hob hervor, dass junge Absolventen hierzulande kaum Probleme beim Wechsel von der Ausbildung in den Beruf hätten. „Deutschland hat eine starke Tradition der Lehre und Berufsausbildung, die sehr stark dabei hilft, junge Menschen in Arbeit zu bringen“, wird Gurría in der Zeitung zitiert.

„Die Welt“ schreibt, dass es im Jahr 2013 in den OECD-Ländern rund 39 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren gegeben habe, die weder zur Schule gingen, eine Ausbildung machten oder erwerbstätig waren. Am stärksten betroffen seien die südeuropäischen Länder gewesen, wo jeder Vierte ohne Beschäftigung oder Ausbildung war. Die OECD weist darauf hin, dass etwa die Hälfte dieser Jugendlichen weder eine Arbeit suche, noch Bildungs- oder Fortbildungsmaßnahmen wahrnehme, dies sei besonders besorgniserregend. „Diese jungen Menschen sind völlig vom Radar verschwunden“, warnte Gurría. An dieser Situation etwas zu ändern, sei „nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit“, mahnte der OECD-Generalsekretär – und verweist laut „Welt“ auf Deutschland.

Der Vergleich zu Deutschland ist in der Tat eklatant: Hier liegt der Anteil junger Menschen, die sich weder in Ausbildung noch Berufstätigkeit befinden, mit weniger als zehn Prozent weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder. Besonders niedrig ist der Anteil bei den hochgebildeten 15- bis 29-Jährigen: Mit 5,7 Prozent ist die Quote so niedrig wie in kaum einem anderen OECD-Land. Deutschland sei in dieser Hinsicht folglich „ein Vorbild“, schreibt „Die Welt“, denn „hierzulande würden Bildung und Ausbildung sehr eng mit Praxiserfahrungen in Unternehmen verzahnt, so dass junge Absolventen mit beruflich nutzbaren Fertigkeiten ins Berufsleben starteten.“ Das sieht in vielen anderen Industrieländern gänzlich anders aus. In Frankreich und Südkorea zum Beispiel bestehen Berufsausbildungen in rund 90 Prozent der Fälle nur aus schulischer Lehre, bei der die Auszubildenden keinerlei praktische Erfahrung in einem Betrieb sammeln, in Italien sogar zu 95 Prozent.

Dabei sieht die OECD gerade in solchen beruflich nutzbaren Fähigkeiten den Schlüssel für Wirtschaftswachstum und damit verbunden eine bessere Beschäftigungslage bei jungen Menschen. „Wir wollten lange alle Wachstumsprobleme der Industriestaaten mit mehr Bildung lösen“, gestand Gurría gegenüber der „Welt“ ein, denn die OECD hatte in der Vergangenheit Deutschland wegen seiner angeblich zu niedrigen Studentenquote kritisiert. „Wir merken jetzt, dass die Antwort sehr viel komplexer ist. Fähigkeiten und Fertigkeiten, ganz gleich, wie sie erworben wurden, beeinflussen die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft weitaus stärker als allein die formale Bildung.“

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