IAB: Immer mehr Deutsche haben einen Nebenjob

Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) hat sich die Zahl der Menschen mit einer Nebentätigkeit seit 2003 mehr als verdoppelt. Rund 3,2 Millionen Beschäftigte haben demnach mindestens zwei Jobs. Begünstigt wird die Entwicklung durch den boomenden Arbeitsmarkt und die steuerliche Begünstigung von Nebenjobs.

Diese Entwicklung wird seit Jahren kontrovers diskutiert: Linke Parteien vermuten, dass in vielen Fällen das eigentliche Gehalt nicht zum Leben reicht. Doch der eigentliche Grund dafür ist laut Forschungsergebnissen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) nicht nur bei der Entlohnung zu suchen, „sondern auch bei unterschiedlichen Arbeitszeiten: Nur etwa die Hälfte der Nebenjobber arbeitet im Hauptjob Vollzeit. Unter Einfachbeschäftigten liegt der Anteil bei 64 Prozent“, so Holger Schäfer, Arbeitsmarktökonom des IW Köln. Interessant sei, so Schäfer, dass Nebenjobs auch für Fachkräfte mit ordentlichem Einkommen attraktiv sind. Das liege insbesondere an den Hartz-Reformen: Demnach dürfen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nebenbei bis zu 450 Euro hinzuverdienen, ohne zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. 2,6 Millionen – und damit mit Abstand der größte Teil – der Doppelerwerbstätigen haben eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge ist der typische Nebenjobber eine Frau mittleren Alters. Demnach sind 57 Prozent der Mehrbeschäftigten weiblich und zwischen 35 und 54 Jahren. Rund jeder dritte Nebenjobber hat einen Hochschulabschluss. Auch wenn sich unter den Nebenjobbern Geringverdiener befinden, liegt darin laut IAB nicht der Grund für den Anstieg der Nebenjobs. IW-Arbeitsmarktökonom Holger Schäfer sieht den Anstieg der Nebenerwerbstätigkeit dennoch kritisch: „Auch wenn die Zunahme von Nebenjobs also zunächst einmal kein Problem darstellt – ihre steuerliche Begünstigung ist wirtschaftspolitisch fragwürdig. Denn sie setzt die falschen Arbeitsanreize. Eine generelle Entlastung der Arbeitnehmer von Steuern und Sozialabgaben wäre deutlich besser als die vollständige steuerliche Befreiung geringfügiger Zweitjobs.“

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