ZEW: Wege aus der Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa

Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim zeigt die Ursachen auf, warum in südeuropäischen Ländern die Jugendarbeitslosigkeit so viel höher liegt als in Deutschland. Die Arbeitsmarktforscher warnen eindringlich davor, dass viele Jugendliche „ohne entschlossene Reformen der Bildungssysteme und der Arbeitsmärkte“ auch nach der Finanzkrise arbeitslos bleiben, wie es in der Pressemitteilung des Instituts heißt. Die von der Robert Bosch Stiftung in Auftrag gegebene Untersuchung deckt vor allem strukturelle Schwächen auf: Praxisferne Berufsausbildung, eine ineffektive Arbeitsverwaltung, einseitiger Kündigungsschutz für unbefristete Arbeitsverträge, aber auch eine fehlende Differenzierung beim Mindestlohn sind einige der Gründe, die das ZEW anführt.

Die Arbeitsmarktforscher des Instituts sprechen sich in ihrer Analyse dafür aus, dass Italien, Spanien und Portugal die Arbeitsverwaltungen straffen, jungen Leuten ohne Abschluss mit nachfrageorientierten Qualifizierungen gezielt zu einer zweiten Chance verhelfen und nach deutschem Modell duale Ausbildungsformen einführen. Die berufliche Ausbildung sei in den südeuropäischen Ländern zu theorielastig und der Praxisanteil größtenteils verschwindend gering. Anders sieht es in Deutschland mit seinem dualen System aus betrieblicher und schulischer Lehre aus: Mehr als zwei Drittel der Auszubildenden werden nach erfolgreichem Abschluss übernommen. Gießkannen-Programme und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zeigten dagegen kaum Erfolge auf Dauer, so ZEW-Präsident Clemens Fuest: „Der derzeitige Ansatz der EU, jedem Jugendlichen innerhalb von vier Monaten mit öffentlichen Mitteln irgendein Angebot zu machen, ist daher problematisch“, zitiert die „Berliner Zeitung“.

Rund 7,5 Millionen junge Europäer sind derzeit weder in einer Beschäftigung noch in einer Ausbildung. Angesichts dieser alarmierenden Zahl wollen die Robert Bosch Stiftung und die Robert Bosch GmbH einen Beitrag zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit leisten. Auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse werden Stiftung und Unternehmen in den kommenden Monaten weitere Projekte planen. Auch die Bundesregierung will sich weiter engagieren. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sagte, die Bundesregierung werde weiterhin auf europäischer Ebene sowie in bilateralen Abkommen Unterstützung leisten.  Ein wichtiger Ansatzpunkt sei die duale Ausbildung, „mit der wir in Deutschland ausgezeichnete Erfahrungen haben und die in vielen Ländern hohe Anerkennung findet“, wird Gabriel in der ZEW-Pressemitteilung zitiert.

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Doris Droste
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