Langzeitarbeitslose sind bei Neueinstellungen im Nachteil

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++ BAP-Hauptgeschäftsführer Swyter: Aktuelle Zahlen belegen, dass Zeitarbeit das Sprungbrett für nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt ist. ++

Wer ein Jahr und länger arbeitslos ist, gilt laut Sozialgesetzbuch (§ 18 I SGB III) als langzeitarbeitslos. Personen mit diesem Status haben es schwerer, eine Stelle zu finden. Das liege jedoch nur zum Teil an den sogenannten individuellen Vermittlungshemmnissen wie gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Qualifikationen, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).  

Entscheidend für die Neueinstellung Langzeitarbeitsloser sei, wie Betriebe ihre Zuverlässigkeit einschätzen. Erst an zweiter oder dritter Stelle nennen die Personalverantwortlichen Arbeitsmotivation und fachliche Qualifikation. Das hat eine Kurzstudie der IAB-Forscher Martina Rebien und Thomas Rothe ergeben. Auch wenn die Erhebung angibt, dass 44 Prozent der Arbeitgeber grundsätzlich bereit sind, Langzeitarbeitslose zu berücksichtigten, werden sie die Stelle vermutlich nicht erhalten, wenn es einen vergleichbaren Bewerber gibt, der kürzer arbeitslos war, beziehungsweise aus direkter Beschäftigung kommt. Der überwiegende Teil der Langzeitarbeitslosen fühlt sich seitens der Gesellschaft stigmatisiert, ergab die IAB-Befragung.

Die Integrationsdienstleister – Sprungbrett Zeitarbeit

Statistisch gesehen spielen Personaldienstleister eine besondere Rolle bei der Integration Langzeitarbeitsloser auf dem ersten Arbeitsmarkt: So liegt laut der Bundesagentur für Arbeit (BA) der Anteil der Zeitarbeit an allen Beschäftigungsaufnahmen Langzeitarbeitsloser bei circa 17 Prozent. 73 Prozent der vormals arbeitslosen Zeitarbeitnehmer sind nach einem Jahr weiterhin in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

„Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Zeitarbeit auch denen Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet, die es ansonsten schwer haben, einen Job zu finden: Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose und Geflüchtete zum Beispiel. Denn die gut qualifizierte Fachkraft ist es im letzten Jahr eben nicht gewesen, die über die Arbeitsagentur eine Stelle gesucht hat, weil sich bei diesen Personen schon mindestens in den letzten beiden Jahren die Unternehmen bewerben mussten“, sagte BAP-Hauptgeschäftsführer Florian Swyter kürzlich dem Handelsblatt.

Die Zeitung berichtete über die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung zum aktuellen Stand der Vermittlungen der BA in die Zeitarbeit. Die Antwort und Interpretation der Zahlen seitens der Bundesregierung deckt sich mit denen von Swyter: „Die Vermittlung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung diene überwiegend der nachhaltigen Integration in den Arbeitsmarkt.“

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