Bundesagentur für Arbeit: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeit im Mai

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++ Aktuelle BA-Zahlen: 37,3 Prozent der Zeitarbeiter in Kurzarbeit – Scheele: „Zeitarbeit nicht auf dem Niveau auf dem sie mal war.“ ++

Die heute veröffentlichte neue monatliche Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) meldet im Mai einen Anstieg der Arbeitslosenzahl im Vergleich zum April um 169.000 auf insgesamt 2,813 Millionen Menschen. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent. „Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Bei der Beschäftigung sind erste Spuren sichtbar. Die Kurzarbeit hat das Niveau der Krise von 2009 deutlich überschritten. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin rückläufig, hat sich aber immerhin gefangen“, sagte der Vorstandsvorsitzende BA, Detlef Scheele.

Im März 2020 gab es in der Zeitarbeit 674.400 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind ca. 74.400 (-9,9 Prozent) weniger gegenüber dem Vorjahresmonat und 7.700 (-1,1 Prozent) weniger als im Vormonat. In den Monaten März und April 2020 wurden für 37,3 Prozent der Arbeitnehmer in der Arbeitnehmerüberlassung Kurzarbeit angemeldet.

Nachdem am Vortag das ifo Institut 7,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit meldete, wurden laut BA im Mai für ca. eine Millionen Personen Kurzarbeit angezeigt, nachdem es in den Monaten März und April insgesamt 10,66 Millionen waren. Wieviel Kurzarbeit davon tatsächlich in Anspruch genommen wurde, kann die Agentur derzeit nur für den Monat März mitteilen: Für etwa zwei Millionen Arbeitnehmer wurde hier Kurzarbeitergeld gezahlt.

Personaldienstleister melden der BA weniger Stellen

Nachdem der Stellenindex der BA, der die bei der BA gemeldeten Stellenangebote einordnet, im April mit 94 Punkten erstmals seit Juni 2015 wieder unter dem Referenzwert gesunken ist, ist im Mai ein weiterer Rückgang um 3 Zähler auf 91 Punkte festzustellen. Mit einem Minus von 38 Punkten unterschreitet der Index seinen Vorjahreswert.

Der Personalbedarf ist in allen Branchen geringer als im Vorjahr. Fast die Hälfte des Rückgangs geht auf die abnehmende Nachfrage von Zeitarbeit (-53 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe zurück. Jeweils ein knappes Drittel weniger Stellen wurde im Vorjahresvergleich aus diesen Wirtschaftszweigen gemeldet. Insgesamt gehen ca. 28 Prozent aller gemeldeten Stellen auf Zeitarbeitsunternehmen zurück. „Die Zeitarbeit hat einen hohen Anteil an den Stelleneingängen. Sie ist derzeit aber nicht auf dem Niveau auf dem sie mal war“, sagt Detlef Scheele in der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.

Destatis: Weniger Erwerbstätige

Das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet in einer aktuellen Meldung, dass im April 2020 rund 44,8 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig sind. Gegenüber April nahm die Zahl um 0,5 Prozent ab. Damit entwickelte sich die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahr erstmals seit März 2010 rückläufig. Das Bundesamt schlußfolgert daraus, dass sich mittlerweile die restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ab der zweiten Märzhälfte deutlich auf den Arbeitsmarkt auswirken.

IAB-Arbeitsmarktvorschau: Südliche Bundesländer besonders betroffen

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstellt anhand der aktuellen Faktenlage eine Arbeitsmarktvorschau bis Juli 2020. Demnach trifft die Coronakrise den deutschen Arbeitsmarkt flächendeckend – anders als während der Finanzkrise 2009. Für die Monate Mai bis Juli 2020 erwartet das IAB für alle Bundesländer einen sehr hohen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Die südlichen Bundesländer seien davon besonders betroffen. So prognostizieren die Forscher einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie Hamburg um 39 Prozent oder höher. Die übrigen westdeutschen Bundesländer sowie Berlin und Thüringen liegen bei einem Anstieg zwischen 30 und 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Bremen falle der Arbeitslosenanstieg mit weniger als 30 Prozent vergleichsweise gering aus. Die Arbeitslosenquote wird laut IAB für die Mehrzahl der Bundesländer bis Juli 2020 um rund 2 Prozentpunkte steigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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