Arbeitsmarktkongress 2019: „Zeitarbeit wird auch in Zukunft eine wertvolle Rolle spielen.“

BAP-Präsident Sebastian Lazay, Fotos von: Florian Gaertner/photothek.de

Panel mit Sebastian Lazay, Christian Baumann, Anke Plättner (Moderatorin) und Jasmin Arbabian-Vogel (v.l.n.r.)

Personalengpässe, Konjunkturabschwung und Strukturwandel sind die Herausforderungen, denen sich Politik, Unternehmen und Gesellschaft stellen müssen. Wie werden wir zukünftig arbeiten und wie sieht der Arbeitsmarkt 2025 aus? Aus Unternehmersicht diskutierten darüber Sebastian Lazay, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister e. V. (BAP), mit Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin Verband deutscher Unternehmerinnen e. V. (VdU), und Christian Baumann, Bundesvorsitzender des Interessensverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V. (iGZ), auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, des BAP und des iGZ im dbb forum berlin.

Bürokratie hemmt die Beweglichkeit und unternehmerische Freiheit

Neben akutem Fachkräftemangel und konjunktureller Eintrübung sei es vor allem die „Unbeweglichkeit“ auf politischer, gewerkschaftlicher und unternehmerischer Ebene, um die sich Jasmin Arbabian-Vogel sorgt. Es reiche eben nicht, „agiles Arbeiten“ auf dem Papier zu fordern oder in den Betrieben einzuführen, wenn die Beweglichkeit im Kopf nicht vorhanden ist. Dies sei aber zwingend nötig, um auf Veränderungen rechtzeitig zu reagieren und diese sinnvoll für die Menschen zu gestalten. Christian Baumann ergänzte, dass mangelnde Agilität letztlich auch auf gesetzliche Regelungen zurückzuführen sei, die die unternehmerische Freiheit einengten und so Platz für Visionen und Investitionen hemmten.

Die Politik als Bremsklotz für die Unternehmen kritisierte ebenfalls Sebastian Lazay aus eigener Praxiserfahrung: „Wir haben die Zeit nicht für Experimentierräume, weil wir uns in der Zeitarbeitsbranche mit Bürokratie und nicht mehr zeitgemäßen Regularien beschäftigen müssen, die uns Energie und Freiheit kosten. Hinzu kommt noch, dass Deutschland im Ausbau einer modernen, wettbewerbsfähigen Infrastruktur massiv hinterherhinkt.“ Dies bestätigte auch Arbabian-Vogel: „Auch wir empfinden die Bürokratie als überbordend und als stetig steigend. Durch viele Gesetzesänderungen ist eine Entlastung geschaffen worden, wofür sich die Politik auf die Schulter klopft – sie kommt nur faktisch bei den Unternehmen nicht an!“

Politik hinkt hinterher

Intensiv wurde auch die Rolle des Staates in der Zukunft definiert, und inwiefern die Politik eine klare Vorstellung davon habe, da bei vielen der Eindruck entstehe, Gesellschaft und Unternehmen seien da schon deutlich weiter, bspw. bei dem Bedürfnis nach flexiblen Arbeitszeitregelungen. Diesen Wunsch nach Flexibilität könne das Modell „Zeitarbeit“ erfüllen, jedoch habe die Politik dies noch nicht verstanden und offenbar fehle auch das nötige Vertrauen in die Branche, so Baumann. Lazay ergänzte, dass darüber hinaus die Personaldienstleister Experten auf dem Gebiet seien, sich schnell an neue Situationen wie Personalengpässe oder technologischer Wandel anzupassen, schneller, als es die Politik vermag. Eine Kernaufgabe der Personaldienstleister sei es eben, diese Umbrüche aufzufangen, indem sie die Beschäftigten von einem Arbeitsplatz zu einem anderen hin entwickle bzw. vermittle.

Grenzenlose Rekrutierung als Antwort auf den Fachkräftemangel

Welche Lösungen haben die Unternehmen also für den zukünftigen Fachkräftemangel? „Wir werden nicht umhin kommen, uns zu öffnen, und Fachkräfte aus dem Ausland zu holen. Dafür brauchen wir nicht nur die entsprechenden Gesetze, sondern auch eine offene Gesellschaft sowie Unternehmen, die das Thema ‚Diversity Management‘ nicht nur als kosmetisches Thema angehen, sondern als ein strategisches und extrem wichtiges. Gleichzeitig müssen wir auch die älteren Mitarbeiter im Unternehmen unterstützen, weiterbilden und halten“, sagte Arbabian-Vogel.

 „Wir müssen über eine grenzenlose Rekrutierung nachdenken“, bekräftigte auch Baumann. Die Zeitarbeitsunternehmen seien in der Lage, weltweit Personalrekrutierung zu betreiben, weil sie die Konzepte, die Technik und Erfahrungen hätten. „Wir dürfen nur nicht. Weil es politisch nicht gewollt ist, Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu beschäftigen“, ergänzte Lazay. „Wenn die Charité Pflegekräfte aus den Philippinen rekrutiert, wird die Erlaubnis erteilt, aber nicht, wenn es ein Zeitarbeitsunternehmen machen will. Das ist geradezu paradox, dass man einer Branche, die sich auf Rekrutierung spezialisiert hat, das Recruiting gesetzlich untersagt.“

Sicherheit und Flexibilität – das kann die Zeitarbeit bieten

Insgesamt blicken die Unternehmensvertreter optimistisch in die Zukunft. Der Arbeitsmarkt der Zukunft werde anders aussehen als heute, man müsse sich lösen von den klassischen Verhältnissen „Von der Wiege bis zur Bahre ein Arbeitgeber“ und die Sozialversicherungssysteme an die modernen Beschäftigungsformen anpassen. „Junge Menschen suchen Sicherheit und Flexibilität. Das kann die Zeitarbeit bieten. Wir können ihnen ein sicheres Netz durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsform bieten und trotzdem sind sie bei unterschiedlichen Kunden, in verschiedenen Projekten oder durch ein entsprechendes Zeitkontenmodell im Sabbatical. Das können nur wenige Kundenbetriebe anbieten.“

Hierin war man sich abschließend einig: Zeitarbeit kann und wird auch in Zukunft eine wertvolle Rolle spielen.

Weitere Rede- und Diskussionsbeiträge des Arbeitsmarktkongresses 2019 können Sie auf der Website der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit nachlesen:

https://www.freiheit.org/arbeitsmarkt-uber-die-zukunft-der-arbeit

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Doris Droste
Doris Droste
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