Studie: Viele haben eine falsche Vorstellung von der Ungleichheit in der Gesellschaftsstruktur

Das Geld ist ungleich verteilt in Deutschland, die Mittelschicht bricht weg und immer mehr Menschen müssen mit immer weniger Einkommen leben. Viele Deutsche stimmen diesen Aussagen zu. Eine neue Studie des Instituts der Wirtschaft Köln (IW Köln) kommt nun jedoch zu dem Ergebnis: Viele Menschen haben häufig eine falsche Vorstellung darüber, wie gleich bzw. ungleich die Verteilung in einer Gesellschaft ist. „Die Größe der Mittelschicht wird in der Regel unter- und der Anteil der Geringverdiener überschätzt“, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung des IW Köln, die auch auf der institutseigenen Homepage zu finden ist.

Das IW macht Angaben zu einzelnen der 24 untersuchten Ländern. So sei „mehr als die Hälfte der Deutschen fest davon überzeugt“, dass in der Bundesrepublik Deutschland die Unterschiede hinsichtlich der Einkommen zu groß seien. Die Franzosen seien allerdings „noch kritischer“, wie es das IW Köln formuliert. Hier würden mehr als zwei Drittel aller Befragten Einkommensunterschiede im Land als zu hoch bezeichnen. „Und das, obwohl sich in der Realität in beiden Staaten die meisten Menschen in der Mitte der Gesellschaft wiederfinden“, stellt das IW Köln klar.

Um zu verdeutlichen, wie die subjektive Wahrnehmung vieler Europäer von der Wirklichkeit abweicht, erklärt das IW Köln den Sachverhalt ganz bildlich: Die Wahrnehmung gleiche einer Pyramide, mit einer kleinen Elite am oberen Rand, in der Mitte, würden dann nur etwas mehr Menschen stehen. Die meisten Personen – die Geringverdiener – seien in dieser Wahrnehmung dann am unteren Ende zu finden. Eine Ausnahme machen laut IW allerdings die Amerikaner aus: Sie würden die Einkommensverteilung „deutlich optimistischer“ einschätzen, als es den tatsächlichen Realitäten entspreche. Die Mittelschicht in den USA sei kleiner, die Unterschicht dagegen größer als häufig vermutet.

Die Pressemitteilung zitiert am Ende des Textes noch IW-Direktor Professor Michael Hüther, der das Ergebnis kommentiert: „Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass in politischen Verteilungsdebatten oft nicht die Fakten zählen, sondern die gefühlte Wirklichkeit. Gerechtigkeitsdebatten in Deutschland – zum Beispiel zum Mindestlohn oder zur Mütterrente – seien daher auch „entsprechend kontraproduktiv“, denn: „Anstatt ein realistisches Bild zu zeichnen, bestätigen sie die Bevölkerung in ihrer falschen Einschätzung zur Einkommensverteilung“, so Hüther.


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Doris Droste
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