Programmatische Rede des Bundespräsidenten: Gauck fordert neue „Lebenslaufpolitik“

Mehr Chancen für Ältere in der Arbeitswelt hat Bundespräsident Joachim Gauck angemahnt. Während der Eröffnung der Ausstellung „Dialog mit der Zeit“ in Berlin forderte er einen Mentalitätswechsel und eine neue „Lebenslaufpolitik“ mit einer anderen Verteilung von Arbeitszeit im Lebenslauf, lebenslangem Lernen und flexiblen Übergängen in den Ruhestand.

„Die neue Wirklichkeit ist in unserer Vorstellungswelt und teilweise auch in unserem gesetzlichen Regelwerk noch nicht richtig angekommen“, stellte der Bundespräsident fest. Es gehe darum, die steigende Lebenserwartung und die dadurch gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen und zu verteilen. Dazu müsse die Politik lernen, über die einzelne Legislaturperiode hinauszudenken. „Eine Gesellschaft des längeren Lebens braucht eine Politik des längeren Atems“, so Gauck wörtlich. Aber auch die Unternehmen sieht der Bundespräsident bei dieser Thematik in der Pflicht: Sie müssten die Verteilung von Arbeitszeit und herkömmliche Beförderungsmuster grundsätzlich überdenken.

Die entscheidende Rolle spielt dabei für Gauck das Thema Bildung. Einerseits müssten berufliche Laufbahnen so verändert werden, dass der Einzelne lange leistungs- und anpassungsfähig bleibe. Andererseits müsse dafür gesorgt werden, dass im deutschen Bildungssystem niemand verloren gehe. Denn gerade wenn in den kommenden Jahren der Anteil der Jüngeren in der Arbeitswelt zurückgehe, dürfe niemand hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben.

„Arbeit und Alter – das passte in Deutschland lange nicht zusammen“, kommentiert dazu „Die Welt“. „In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit sollten die Alten den Jungen in der Arbeitswelt Platz machen; mit Altersteilzeit und Frühverrentung wurden die Älteren aus dem Berufsleben gedrängt. Noch heute wirkt dieser Jugendwahn nach.“ Wer heute mit 50 Jahren arbeitslos werde, gelte als schwer vermittelbar, Arbeitslose über 58 Jahre sogar als chancenlos. Da seien einige Tarifpartner schon weiter, kritisiert die Zeitung: Arbeitgeber und Gewerkschaften der Chemieindustrie hätten ihren Demografiefonds gerade erst deutlich aufgestockt – zulasten einer höheren Lohnsteigerung. „Die Gelder aus dem Fonds können je nach Entscheidung im Betrieb für Arbeitszeitkonten, Teilrenten, Teilzeitmodelle oder für die Altersvorsorge verwendet werden. So können Schichtarbeiter in der Branche, in der jeder dritte Beschäftigte älter als 50 Jahre ist, mit der Vier-Tage-Woche in den Ruhestand gleiten“, heißt in der „Welt“.

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