Neue Arbeitsmarkt-Studie: Mittelschicht bleibt „dominierend“

Rund 43 Millionen Erwerbstätige gibt es in Deutschland. Dazu ist die Zahl der Arbeitslosen auf einen Tiefststand seit der Wiedervereinigung gefallen. Damit verfügt Deutschland über die besten Arbeitsmarktwerte in der gesamten Europäischen Union. Dennoch wird auch immer wieder auf vermeintlich negative Seiten des deutschen Arbeitsmarktes verwiesen, wonach das deutsche „Jobwunder“ gestützt werde durch eine wachsende Zahl schlecht bezahlter Geringverdiener und sogenannter atypisch Beschäftigter. „Entwickelt sich also am deutschen Arbeitsmarkt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus hochbezahlten Akademikern und Spezialisten einerseits und einer verunsicherten und schlechter bezahlten Unterschicht andererseits, in die auch immer mehr Fachkräfte abrutschen?“, fragt deshalb die  „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ). Und verneint mit Hinweis auf eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

„Die These einer von technologischem Wandel und Globalisierung getriebenen Polarisierung der Arbeitsmärkte lässt sich nach unseren Analysen für Deutschland kaum halten“, erklärt IZA-Direktor Werner Eichhorst der Zeitung. Demnach habe es im Zeitraum zwischen Mitte der neunziger Jahre und dem Jahr 2011 sowie im Vergleich mit anderen EU-Staaten eine „recht robuste Mitte des Arbeitsmarktes“ in Deutschland gegeben, wie die FAZ schreibt. So wuchs die Zahl der Beschäftigten in den mittleren Berufsgruppen – laut IZA beispielsweise Metall-Facharbeiter oder Handwerker – um 0,2 Prozent. Gleichzeitig wurde ein Wachstum bei Geringverdienern und Hochbezahlten verzeichnet. Die Zahl der Niedrigverdiener – Hilfsarbeit, einfache Dienstleistungen, landwirtschaftliche Berufe – erhöhte sich um 22 Prozent im untersuchten Zeitraum. Am stärksten jedoch legte die Gruppe der sogenannten Hochlohnempfänger, wie Ingenieure, Techniker, Mediziner, Manager und leitende Verwaltungsmitarbeiter, mit mehr als 33 Prozent zu. Dennoch stellt die FAZ klar: „Die Mittelschicht bleibt aber dominierend.“

„Auffällig“ sind laut Eichhorst noch zwei weitere Entwicklungen, die das IZA bei seiner Untersuchung beobachtet hat: Das ist zum einen „die stärkere Verbreitung atypischer Beschäftigungsformen in einzelnen Berufsgruppen, insbesondere die gewachsene Rolle der geringfügigen Beschäftigung und der Zeitarbeit in bestimmten, meist geringer entlohnten Teilbereichen des Dienstleistungssektors.“ Zum anderen gab es eine „Zunahme befristeter Beschäftigung auch in höheren Entlohnungsbereichen“. „Das mittlere Segment“ hingegen sei davon weniger betroffen.

Für die Zukunft erwartet das IZA, dass insbesondere einfache Tätigkeiten immer öfter durch Maschinen ersetzt werden. Daher raten die Arbeitsmarktforscher zu „einer auf Qualifizierung und Weiterbildung ausgerichteten Arbeitsmarktpolitik“. Wie die FAZ zitiert, sollte ein gesetzlicher Anspruch auf Weiterbildung bestehen, die Arbeitslosenversicherung erweitert und neue tarifliche Bestimmungen erlassen werden.

Wichtiger Hinweis:
Die Weitergabe der persönlichen LogIn-Daten an Dritte ist untersagt. Bei Zuwiderhandlung behält sich der BAP entsprechende rechtliche Schritte vor.

Artikel teilen:

zurück