Mediziner für Lockerung bei Krankmeldungen

Mediziner der Universität Magdeburg plädieren dafür, die Regeln für Krankschreibungen zu lockern. Beschäftigte sollten sich für die Dauer von bis zu einer Woche selbst krankmelden können, sagte Wolfram Herrmann, Leiter des Magdeburger Forscherteams, in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Eine Studie habe ergeben, dass viele Arztbesuche nur erfolgten, um die ärztliche Bescheinigung zur Krankschreibung zu erhalten. Falle ein Teil davon weg, würden die Hausärzte entlastet und könnten sich besser um die Behandlung von Patienten mit langwierigen Erkrankungen kümmern.

Der Leipziger Wissenschaftler schlug vor, eine Ausweitung auf fünf Tage in Pilotprojekten auszuprobieren. Seiner Auffassung nach hätten Erfahrungen aus Norwegen gezeigt, dass durch eine eigenständige Krankmeldung der Beschäftigten die Zahl der Fehltage nicht nach oben schnellt. In Norwegen gibt es dem Magdeburger Arzt zufolge sogar schon Projekte mit der Möglichkeit, sich bis zu 365 Tage selbst krankzumelden. „So weit brauchen wir nicht zu gehen“, sagte Hermann.

Der Gesundheitspolitiker der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, zeigte sich gegenüber den Plänen aufgeschlossen: „In Deutschland ist die Zahl der durchschnittlichen Arztbesuche auch deswegen so hoch, weil Patienten nur für Rezepte, Verlaufskontrollen oder auch Kurzzeitkrankschreibungen immer zum Arzt müssen“, sagte er der Zeitung.

Die Arbeitgeber sehen dagegen keinen Handlungsbedarf. „Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt“, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Sie führen nicht zu unnötigen Arztbesuchen.“ In Deutschland verlangten Arbeitgeber in vielen Fällen erst ab dem vierten Tag der Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Dennoch sei es sinnvoll, dass auch bereits früher eine Krankschreibung angefordert werden dürfe – „vor allem um möglichem Missbrauch entgegenwirken zu können“.

Wichtiger Hinweis:
Die Weitergabe der persönlichen LogIn-Daten an Dritte ist untersagt. Bei Zuwiderhandlung behält sich der BAP entsprechende rechtliche Schritte vor.

Artikel teilen:

zurück