IW: Nur 8 Prozent befristete Arbeitsverträge – Gesetzesverschärfung wenig sinnvoll

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) lehnt die von SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften angestrebte Verschärfung des Befristungsrechts ab. In einem am Mittwoch auf der Internetseite des IW veröffentlichten Bericht heißt es, in Deutschland hätten nur 8 Prozent aller Beschäftigten einen befristeten Arbeitsplatz – Tendenz sinkend. „Wo ist da das Problem?“, fragen die Ökonomen. Das IW weist darauf hin, dass es häufig Wissenschaftler betreffe, die für zeitlich begrenzte Projekte arbeiteten. Schon von daher sei es „wenig sinnvoll, das Befristungsrecht zu verschärfen“.

Die Ökonomen des Kölner Instituts kritisieren Schlagzeilen wie „Befristungen auf dem Vormarsch“. Regelmäßig werde versucht, aus solchen Meldungen politisches Kapital zu schlagen. Schon die Begründung für den Vorstoß ist nach Auffassung des IW nicht haltbar. „Denn der Anteil der Arbeitnehmer, die einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ist seit 2005 letztlich zurückgegangen." Der Sprung im Jahr 2005 sei im Wesentlichen auf eine Umstellung der Statistik zurückzuführen. Es sei „unredlich, das Jahr 1991 mit dem Jahr 2013 zu vergleichen und daraus Handlungsbedarf abzuleiten“, so das IW. Überdies sei die Gruppe der befristet Beschäftigten auch „nicht besonders schutzbedürftig“, ist die Auffassung der Wirtschaftsexperten. Es seien vor allem Universitätsabsolventen und Promovierte, die einen „Vertrag mit Verfallsdatum“ hätten. Dies hänge wesentlich mit der Einstellungspraxis des öffentlichen Dienstes zusammen. Während zum Beispiel im Verarbeitenden Gewerbe die Befristungsquote mit 7 Prozent unter dem Durchschnitt liege, komme die öffentliche Verwaltung auf 11 Prozent. Noch höher sei die Quote in dem zur Verwaltung zählenden Bereich Erziehung und Unterricht, „was auf die rigorose Befristungspraxis der Hochschulen zurückzuführen“ sei. Das IW weist darauf hin, dass der Gesetzgeber für Wissenschaftler sogar erleichterte Befristungsregeln erlassen habe. Deshalb hätten dort junge Akademiker zu 80 Prozent Zeitverträge. Einschätzung des IW: „Für den Einzelnen mag das ärgerlich sein – ein generelles Problem ist das nicht.“ Denn Akademiker fielen meistens „nicht in ein ökonomisches Loch, wenn ein Vertrag ausläuft“.

Eine weitere Regulierung der Befristungsmöglichkeiten hält das IW nicht nur für unnötig, sondern sie wäre schon deshalb besonders kontraproduktiv, „weil hierzulande Entlassungen nur in ganz engen Grenzen möglich und sehr teuer sind“. Ohnehin belege Deutschland im Vergleich aller Industrieländer den Spitzenplatz. Umso wichtiger sei die Funktion der Zeitarbeit: „Was an Flexibilität bei Standard-Beschäftigungsverhältnissen fehlt, muss durch Befristungen oder Zeitarbeit kompensiert werden. Sind auch diese Wege eingeschränkt, nimmt der Staat den Betrieben die Möglichkeit, rasch auf eine schwankende Nachfrage zu reagieren“, heißt es im IW-Bericht.

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