Ifo-Institut: Stimmung in Chefetagen im sechsten Monat in Folge eingetrübt

Der Geschäftsklima-Index fiel unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mitteilte. Das sei der schlechteste Wert seit fast zwei Jahren. Von der Nachrichtenagentur „Reuters“ befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 104,3 Zähler erwartet. „Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn gegenüber der Nachrichtenagentur.

Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus. Im Großhandel und bei den Dienstleistern habe sich die Stimmung aufgehellt, im Einzelhandel und im Baugewerbe sowie vor allem in der Industrie sei sie schlechter geworden. „In der Industrie gibt es kaum Lichtblicke“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu „Reuters“. Allein die Exporterwartungen seien gestiegen. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob dies nur ein Strohfeuer sei. „Der Euro hat zuletzt zum Dollar deutlich an Wert verloren, was deutsche Produkte in vielen Ländern attraktiver macht“, zitiert „Reuters“ das Ifo-Institut.

Ökonomen gehen unterdessen nicht von einer längeren Flaute aus. „Die Konjunktur durchläuft derzeit eine Schwächephase, die man mit dem Begriff Delle wohl am besten beschreiben kann“, sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. „Stimmungstöter“ seien geopolitische Risiken, die schleppende Erholung der Euro-Zone, Deflationssorgen und auch die deutsche Wirtschaftspolitik. Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank zufolge stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal, es sei aber davon auszugehen, dass es in den letzten drei Monaten wieder leicht wachse.

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent und geht für 2015 sogar von lediglich 0,8 Prozent aus.

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