Droht Deutschland ein gespaltener Arbeitsmarkt?

„Auf der einen Seite Fachkräftemangel, auf der anderen Seite Langzeitarbeitslosigkeit von Geringqualifizierten.“ Das könnte laut Professor Lars P. Feld, einem der sogenannten Wirtschaftsweisen, eine Folge der Arbeitsmarktpolitik sein, die die große Koalition betreibt. In einem Interview mit der Zeitung „DIE WELT“ warnt der Leiter des Walter Eucken Instituts davor, dass die Bundesregierung die Reformen der Agenda 2010 zurückdrehe. Der deutsche Arbeitsmarkt sei im Vergleich zu anderen Ländern nach wie vor ziemlich unflexibel. Auch die sogenannten Hartz-Reformen hätten den rigiden Kündigungsschutz nicht angetastet. „Mit der Lockerung für Leiharbeit und Befristungen“, so Feld gegenüber der „WELT“, „wurden vor allem an den Rändern Ausweichmöglichkeiten geschaffen.“ Durch die Arbeitsmarktregulierungen der großen Koalition drohe Deutschland  in die „Vor-Agenda-Zeit“ zurückzufallen.

Eine klare Absage erteilt der Wirtschaftsweise auch der Behauptung, dass die Einkommensgleichheit immer größer geworden sei. Die Einkommensschere sei zwar bis 2005 auseinandergegangen. „Doch seit 2005 nimmt die Ungleichheit nicht mehr zu. Die Reformpolitik im Zuge der Agenda 2010 hat die soziale Spaltung also keineswegs vertieft“, sagte Feld. Der gesetzliche Mindestlohn sei jedenfalls nicht geeignet, um Einkommensunterschiede zu verringern. Denn er würde entweder zum Wegfall von Arbeitsplätzen führen oder ginge an Aufstocker, die bislang einen Zuschuss vom Staat bekommen würden. „Beide Gruppen haben durch den Mindestlohn nicht mehr Geld in der Tasche. Eine Politik, die das Risiko der Arbeitslosigkeit für Geringqualifizierte erhöht, ist für die Armutsbekämpfung kontraproduktiv“, betont Feld im „WELT“-Interview.

Zielführend sei es stattdessen, bei der Bildung anzusetzen. Die Menschen müssten in die Lage versetzt werden, anspruchsvolle Tätigkeiten auszuüben.  „Die Globalisierung und der technische Fortschritt drücken den Preis für unqualifizierte, standardisierte Arbeit. Den Markt zu zwingen, höhere Löhne für einfache Jobs zu zahlen, wird nicht gelingen“, stellte Feld in der „WELT“ klar.

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