Arbeitsmarktentwicklung: Ist die Konjunktur nur ein Faktor neben anderen?

Das Beschäftigungswachstum hat im Oktober 2014 einen neuen Höchststand erreicht: mit 43 Millionen Menschen waren so viele erwerbstätig wie niemals zuvor. Die Entwicklung scheint sich von der Konjunktur abzukoppeln. Zwei Experten vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit liefern im Gastkommentar der heutigen Ausgabe vom „Handelsblatt“ einen Erklärungsversuch für dieses Phänomen.

Die These der beiden IAB-Wissenschaftlicher Sabine Klinger und Enzo Weber lautet: Der deutsche Arbeitsmarkt habe sich nachhaltig verändert. „Die gute Entwicklung nach den Hartz-Reformen war kein rein konjunkturelles Phänomen“, heißt es wörtlich. Als „konjunkturunabhängige Faktoren“, die für die Arbeitsmarktentwicklung eine entscheidende Rolle spielen, identifizieren Klinger und Weber die vier Bereiche Strukturwandel, nachhaltiges Personalmanagement, hohe Zuwanderung und moderate Arbeitskostenentwicklung.

Zum ersten Faktor Strukturwandel schreiben die beiden IAB-Experten, dass der Dienstleistungssektor immer wichtiger würde. Im Gegensatz zur Industrie seien „die Schwankungen über den Konjunkturzyklus“ bei Dienstleistungen „geringer“. Außerdem habe die Bauwirtschaft „ihre Anpassungskrise nach der Wiedervereinigung überwunden“ und lege deshalb bei den Beschäftigungszahlen wieder zu.

Der zweite Faktor nachhaltiges Personalmanagement lässt sich laut Klinger und Weber daran festmachen, dass Unternehmen angesichts der Fachkräfteengpässe versuchen würden, ihr Personal auch über eine Rezession zu halten. Dadurch wollten die Firmen einerseits aufwendige Rekrutierungsprozesse vermeiden und sich andererseits eingearbeitetes Personal für die Zeit des Aufschwungs sichern.

Der dritte Faktor hohe Zuwanderung mache sich insbesondere daran bemerkbar, dass der deutsche Arbeitsmarkt „seit einigen Jahren“ hohe Zuwächse, „vor allem aus Ost- und Südeuropa“, verzeichne. Ohne dieses erhöhte Angebot an Arbeitskräften „könnte die Beschäftigung nicht so stark wachsen“, schreiben Klinger und Weber. Der vierte und letzte „konjunkturunabhängige“ Faktor, die moderate Arbeitskostenentwicklung aufgrund der geringen Steigerungen des gesamtwirtschaftlichen Lohnniveaus, hat laut der beiden IAB-Forscher „Anreize für mehr Beschäftigung“ gesetzt.

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