07.10.2021 | "Nicht nur die Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich bei uns um offene Stellen – wir bewerben uns gleichzeitig bei ihnen"

11. "Thementag Personalvermittlung" erstmals im hybriden Format

BAP
Heinz Ostermann, Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung (VBPV) im BAP / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

"Ein Top-Thema, das die Wirtschaft und damit auch unsere Branche immens beschäftigt, ist das Suchen und Finden geeigneter Bewerberinnen und Bewerber", betonte Heinz Ostermann, Vorsitzender des Verbandsbereichs Personalvermittlung (VBPV) des BAP, in seiner Begrüßungsrede des diesjährigen Thementags Personalvermittlung. Dieser fand im hybriden Format in Berlin statt, wodurch der BAP erstmalig nach Ausbruch der Corona-Pandemie wieder seine Gäste bei einer Veranstaltung unmittelbar vor Ort begrüßen konnte. Im Fokus des Thementags stand insbesondere "die Betrachtung der Kandidatinnen und Kandidaten aus verschiedenen Blickwinkeln. Wir wollen wissen, wie man sie erreichen kann, welche unentdeckten Potenziale es für Personalvermittler noch gibt und welche Kanäle sich für die Ansprache am besten eignen. Dabei stehen alle Akteure im Scheinwerferlicht, denn die Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich nicht nur bei uns um offene Stellen, sondern wir bewerben uns gleichzeitig bei ihnen", bekräftigte Ostermann. Dabei habe die Personalvermittlungsbranche vielversprechende Zeiten vor sich. So wachse die Angebotsseite wieder kontinuierlich, denn im September waren rund 800.000 offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, über 200.000 mehr als im Vorjahresmonat. "Zudem befinden sich die Umsätze in der Personalvermittlung bereits wieder deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Branche hat sich von der Corona-Krise also schnell erholt", freute sich Ostermann.

BAP
Sven Astheimer, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

„Deutsche Unternehmen müssen noch flexibler werden“

Ein brandaktuelles Thema griff Sven Astheimer, Leiter der Unternehmensberichterstattung bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), mit seiner Keynote zu den "Wirtschaftlichen Herausforderungen nach der Bundestagswahl" auf. Mit globalem Blick prognostizierte Astheimer dabei gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen in China, dass "sich die Spannungen in der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen werden. Deutsche Unternehmen müssen darauf mit einem Höchstmaß an Flexibilität reagieren. Dabei bieten sich Chancen, aber um diese ergreifen zu können, müssen die richtigen Menschen in der Arbeitswelt auch an der richtigen Stelle sein". Der bereits jetzt allgegenwärtige Fachkräftemangel werde sich in den nächsten Jahren zu einem generellen Mangel an Arbeitskräften ausweiten. Um diesem zu begegnen, seien verschiedene Maßnahmen vonnöten. "Wir müssen die Zahl der arbeitsfähigen Köpfe in unserem Land durch Migration erhöhen. Dabei spielt die Zeitarbeit eine zentrale Rolle, denn sie leistet bereits seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration. Immens wichtig ist zudem die Erhöhung der Produktivität. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, Arbeitskräfte unproduktiv zu lassen. Der Bedarf wird steigen, oftmals auch kurzfristig mit starken Auftragsschwankungen. Dafür brauchen wie Lösungen, wie sie von Spezialisten wie den Personalvermittlern angeboten werden." Von der neuen Bundesregierung forderte Astheimer zudem, endlich die Digitalisierung erfolgreich voranzutreiben und die Diskussion über die Energiewende offen und transparent zu führen. Der Reformwille der künftigen Regierung werde sich beispielhaft daran zeigen, "wie offen sie für die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren ist. Denn in diesen Abläufen müssen wir einfach besser werden", bekräftigte Astheimer.  

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Anna Moormann, index research / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

Studie bescheinigt große Zufriedenheit mit Arbeit der Personalvermittler

Die zentralen Ergebnisse der neuen Studie "Barometer Personalvermittlung 2021 – Wachstumspotenziale für ein modernes Recruiting" stellte Anna Moormann, Expertin im Bereich Market Research bei der Personalmarktforschung index Research, vor.  Für die Studie hatte index 1.000 Kandidatinnen und Kandidaten (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer), über 500 Unternehmen und knapp 300 Personalvermittler zu aktuellen Trends auf dem Arbeitsmarkt befragt. "Die Studie bestätigt, dass Personalvermittler gute Arbeit leisten. 70 Prozent der Unternehmen und sogar knapp 80 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten gaben an, dass sie sehr zufrieden oder zufrieden mit ihren Personalvermittlern sind. Über 60 Prozent von ihnen würden bei einem Jobwechsel eine Vermittlung in Anspruch nehmen", erläuterte Moormann. Das perfekte Match sei sowohl für die Unternehmen wie auch für die Kandidatinnen und Kandidaten bei der Beauftragung eines Personalvermittlers gleichermaßen entscheidend, denn "mit über 98 Prozent Zustimmung wünschen sich Unternehmen passgenaue Profile. Die Bewerberinnen und Bewerber erwarten in erster Linie, dass Personalvermittler auf ihre individuellen Wünsche hinsichtlich Aufgaben, Gehalt und flexiblen Arbeitszeiten eingehen." Ein weiteres wichtiges Thema seien Online-Bewerbungsgespräche. Laut der neuen Studie würden 80 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten und 77 Prozent der Personalvermittlungsunternehmen davon ausgehen, dass digitale Bewerbungsgespräche künftig ein fester Bestandteil im Recruiting-Prozess sein werden. "Unternehmen stimmten dieser Aussage weniger zu", schilderte Anna Moormann ein weiteres spannendes Ergebnis des Barometers.  

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Andrea Grudda, Trendmanagerin und Vorstandsmitglied der Stiftung flexible Arbeitswelt / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

„Es werden sich zwei ganz verschiedene Typen von Unternehmen herausbilden“

Den Auftakt zu den anschließenden Workshop-Sessions bildete der Beitrag von Andrea Grudda, Trendmanagerin und Vorstandsmitglied der Stiftung flexible Arbeitswelt, zur Frage "Lebenszyklus versus Arbeitswelt: Welcher Arbeitsplatz passt zu meinem Leben?". Grudda machte zunächst die enormen Verwerfungen deutlich, welche die Corona-Pandemie hinterlassen hat, denn 72 Prozent der Menschen weltweit würden sich demnach wünschen, dass sich ihr Leben ändert und nicht alles wieder so wird wie vor der Pandemie. "Hierzu zählt ausdrücklich auch das Arbeitsleben. Daraus resultiert für viele Menschen die entscheidende Frage: Wie fühlt sich mein Leben an und welches Unternehmen passt dazu?", schilderte Grudda. Dabei werde es künftig zwei Typen von Unternehmen geben, die sich diametral voneinander unterscheiden: die "Fluide Company" und die "Caring Company". Letztere setze auf eine langfristige Bindung ihrer Arbeitskräfte und strebe Stabilität und Vereinbarkeit mit der Familie an. Bei der Fluide Company seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen in der Regel maximal drei Jahre tätig und würden ihren Arbeitsplatz als eine Art projektbezogene Plattform betrachten. Hier stehe "die persönliche Entwicklung an erster Stelle und die Frage, was der Arbeitsplatz für die Person tun kann und soll", erläuterte Grudda. Anschließend waren die Ideen der Gäste vor Ort und virtuell über Zoom gefragt, was Arbeitgeber potentiellen Beschäftigten bieten sollten, um für diese auch zukünftig das passende Unternehmen zu sein.  

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Sebastián Merle, Bundesagentur für Arbeit / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

Neues Geschäftsmodell der BA soll Kooperation mit Personalvermittlern stärken

Über die Erfahrungen der Bundesagentur der Arbeit (BA) bei der Fachkräftegewinnung von Pflegekräften aus Lateinamerika berichtete in einem weiteren Workshop Sebastián Merle, Experte im Bereich Internationale Beziehungen der BA. Demnach würde die Bundesagentur derzeit "ungefähr 500 Pflegekräfte aus Lateinamerika pro Jahr nach Deutschland vermitteln, doch der Bedarf ist weit höher. Leider sind die bürokratischen Hürden in unserem Land mit 16 Bundesländern und 20 Anerkennungsbehörden für Gesundheitsberufe oftmals sehr hoch und die Prozesse entsprechend komplex", erläuterte Merle offen. Dies sei umso weniger nachvollziehbar, da es hier um die dringend erforderliche Gewinnung von ausländischen Fachkräften durch gezielte Erwerbsmigration aus Drittstaaten außerhalb der EU ginge. Durchaus anspruchsvoll sei bei der Gewinnung von Pflegekräften aus Lateinamerika die zeitliche Schiene, denn der gesamte Prozess dauere mit Planung, Rekrutierung, Sprachkurs, Einreisevorbereitungen und Qualifizierungsmaßnahmen ungefähr zwei Jahre, bis die Arbeitskraft tatsächlich ihre Arbeit in Deutschland aufnehmen kann. Für gesteigerte Aufmerksamkeit sorgte darüber hinaus die Ankündigung Merles, wonach der internationale Bereich der BA aktuell an einem neuen Geschäftsmodell arbeite, das bis Mitte 2022 umgesetzt werden soll und bei dem eine noch nicht näher definierte Zusammenarbeit mit Personalvermittlern vorgesehen sei.

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Anna Moormann, index research (links) / ©BAP, Foto: Regina Sablotny

Empfehlungsmarketing wichtiger als Online-Jobbörsen

Ein zentrales Ergebnis des Barometers Personalvermittlung 2021 stand im Mittelpunkt des dritten Workshops "Empfehlungsmarketing als Personalmarketingmaßnahme", der von Anna Moormann geleitet wurde. Demnach gaben 17,2% der Kandidatinnen und Kandidaten an, dass sie über Empfehlungen von Familie, Freunden oder Bekannten ihren neuen Job gefunden haben. Die Studie zeige eindeutig auf: "Die meisten Menschen kommen über Empfehlungen an einen neuen Job, nicht über Online-Jobbörsen oder Initiativbewerbungen! Im Vergleich zur konventionellen Personalsuche ist das Empfehlungsmarketing aus Sicht der Jobsuchenden authentischer und glaubwürdiger", erläuterte sie. Auch für Personalvermittlungsunternehmen brächte das Verfahren viele Vorteile, denn "der Kosten- und Zeitaufwand verringert sich, die Kandidatinnen und Kandidaten zeichnen sich durch hohe Qualität und Cultural Fit aus, der passive Arbeitsmarkt wird miterreicht und Weiterempfehlungen wirken sich auch immer positiv auf die Arbeitgebermarke aus". Denn nur wer von seinem eigenen Unternehmen überzeugt sei, ist auch bereit, dafür bei anderen zu werben. Intensiv diskutiert wurde dabei vor allem, ob es eines Bonisystems bedarf, um ein erfolgreiches Empfehlungsmanagement zu betreiben und welche Alternativen es gibt.

Den Abschluss des 11. Thementags Personalvermittlung bildeten eine kurze Diskussionsrunde, bei der Arbeitsmarkt- und Netzwerkexpertin Ines Dauth, die durch die gesamte Veranstaltung führte, gemeinsam mit den Referentinnen und Referenten der Workshops wesentliche Erkenntnisse der Vorträge zusammenfasste.

Präsentationen und Handouts

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