Wer trägt das Vergütungsrisiko, wenn der Zeitarbeitnehmer vom Kunden nach Hause geschickt bzw. abgemeldet wird, ...

a) weil der Kundenbetrieb aufgrund einer behördlichen Anordnung geschlossen wird?

In diesem Fall kann der Kunde die Zeitarbeitnehmer (zumindest vorübergehend) nicht einsetzen und wird daher die Zeitarbeitnehmer abmelden bzw. den Arbeitnehmerüberlassungsvertrag kündigen. Das Zeitarbeitsunternehmen trägt, wie bei jeder anderen Abmeldung auch, das Vergütungsrisiko. Ein Wenigerbedarf im Kundenbetrieb oder Nichteinsatzzeiten können über das Arbeitszeitkonto abgefangen werden, wobei sich im letztgenannten Fall eine Vereinbarung mit dem Mitarbeiter über den Zeitausgleich empfiehlt (vgl. auch Tarifhandbuch für die Praxis zu § 4.2 MTV BAP, S. 41-45).

b) weil der Kunde den ZAN aufgrund eines am Coronavirus erkrankten Kollegen nach Hause schickt (vorsorgliche Schließung ohne behördliche Anordnung) oder wegen mangelnder Aufträge, Veranstaltungsabsagen oder unterbrochener Lieferketten die ZAN abmeldet?

Hier gelten die unter a) gemachten Ausführungen entsprechend. Da allerdings keine behördliche Anordnung vorliegt, hat der Kunde bei der Abmeldung des Zeitarbeitnehmers oder der Beendigung des Überlassungsvertrages etwaige vertragliche Abnahmeverpflichtungen und Kündigungsfristen einzuhalten. Insofern kommt für das Zeitarbeitsunternehmen die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen in Betracht.