BEHAUPTUNG: In der Zeitarbeit verdient man schlecht.

FAKT IST:

Branchenzuschlagstarifverträge und verbindliche Lohnuntergrenze sorgen für attraktive Entlohnung in der Zeitarbeit!

Der BAP ist Tarifpartner der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit. Diese Sozialpartnerschaft mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund besteht bereits seit fast 20 Jahren. Die Zeitarbeitsbranche hat 2012 noch vor Einführung des gesetzlichen Mindestlohns eine allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze eingeführt. Sie ist identisch mit der untersten Entgeltstufe der Tarifverträge der Zeitarbeit und im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz festgeschrieben. Vereinbart wurde die Lohnuntergrenze auf der einen Seite von der DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit, der alle acht Einzelgewerkschaften des DGB angehören, und auf der anderen Seite von der Verhandlungs­gemeinschaft Zeitarbeit (VGZ), die aus den beiden Arbeitgeberverbänden BAP und iGZ besteht.

Dieser spezielle Mindestlohn für Zeitarbeitskräfte, die einfachste Tätigkeiten ausüben, liegt seit dem 1. April 2022 im gesamten Bundesgebiet bei 10,88 Euro. Mit dem neuen Tarifabschluss vom 21. Juni 2022 haben sich die Tarifvertragsparteien darauf verständigt, einen neuen Mindestlohntarifvertrag zu schließen, dessen Mindestlohnhöhe mit den in diesem Verhandlungsergebnis für die Entgeltgruppe EG 1 festgelegten Beträgen identisch ist. Die Tarifvertragsparteien werden gemeinsam dem BMAS vorschlagen, diesen Mindestlohntarifvertrag als neue Lohnuntergrenze in einer Rechtsverordnung nach § 3a AÜG verbindlich festzusetzen. Nach dem Verhandlungsergebnis der Tarifvertragsparteien steigt das Entgelt in der Entgeltgruppe 1 ab dem 1. Oktober 2022 auf 12,43 Euro (ab 1. April 2023 und ab 1. Januar 2024 jeweils auf 13,00 Euro und 13,50 Euro). Somit liegt es über dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 10,45 Euro ab 1. Juli 2022 (12,00 Euro ab 1. Oktober 2022).

Zusätzlich sind seit dem 1. November 2012 zudem sukzessive Branchenzuschlagstarifverträge in Kraft getreten, die ein Meilenstein für die Zeitarbeitsbranche waren. Die Branchenzuschlagstarifverträge beseitigen in den wichtigsten Einsatzbranchen Differenzen zwischen den Entgelten der Zeitarbeitskräfte und der Stammbeschäftigten und wurden mit den Gewerkschaften IG Metall, IG BCE, ver.di und EVG ausgehandelt. So ist geregelt, dass Zeitarbeitskräfte, die in ein und demselben Kundenbetrieb eingesetzt werden, nach vier bzw. sechs Wochen Zuschläge auf die tariflich vereinbarten Entgelte erhalten. Die Höhe der Zuschläge steigt dabei mit der Dauer des Einsatzes im selben Kundenbetrieb an und kann zu einem Aufschlag von bis zu 67 Prozent führen. Der höchste Tariflohn der Zeitarbeit erreicht somit 39,14 Euro pro Stunde für Hochqualifizierte (EG 9 mit Branchenzuschlag der Metall- und Elektroindustrie nach 15 Monaten Einsatz im selben Kundenunternehmen).

Wenn Branchenzuschlagstarifverträge angewandt werden, bestimmt sich die Vergütung des Zeitarbeitskräfte für die gesamte Dauer des Einsatzes bis zum Erreichen der Höchstüberlassungsgrenze nach diesen Tarifverträgen. Das gesetzliche Equal Pay gilt in diesen Fällen nicht. Allerdings muss durch die Branchenzuschläge nach spätestens 15 Monaten Überlassungsdauer mindestens ein Arbeitsentgelt erreicht werden, das durch die Tarifvertragsparteien als gleichwertig mit dem Arbeitsentgelt vergleichbarer Arbeitnehmer in der Einsatzbranche festgelegt ist. Was das vergleichbare Arbeitsentgelt ist, bestimmen also in diesem Fall die Tarifvertragsparteien der Zeitarbeitsbranche.

Folgende elf Branchenzuschlagstarifverträge existieren momentan:

  • TV BZ ME (Metall- und Elektroindustrie), abgeschlossen mit IG Metall
  • TV BZ TB (Textil- und Bekleidungsindustrie), abgeschlossen mit IG Metall
  • TV BZ HK (Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie), abgeschlossen mit IG Metall
  • TV BZ Chemie (Chemische Industrie), abgeschlossen mit IG BCE
  • TV BZ Kunststoff (Kunststoff verarbeitende Industrie), abgeschlossen mit IG BCE
  • TV BZ Kautschuk (Kautschuk verarbeitende Industrie), abgeschlossen mit IG BCE
  • TV BZ KS (Kali- und Steinsalzbergbau), abgeschlossen mit IG BCE
  • TV BZ PE (Papier erzeugende Industrie), abgeschlossen mit IG BCE
  • TV BZ PPK (Papier, Pappe, Kunststoffe verarbeitende Industrie), abgeschlossen mi ver.di
  • TV BZ Druck – gewerblich (Druckindustrie für gewerbliche Arbeitnehmer), abgeschlossen mit ver.di
  • TV BZ Eisenbahn (Schienenverkehrsbereich), abgeschlossen mit EVG

Die Arbeitnehmer in der Zeitarbeit profitieren flächendeckend von den ausgehandelten Tariflöhnen, denn die Tarifabdeckung beträgt nahezu 100 Prozent – ausschließlich mit DGB-Tarifverträgen. Somit hat die Zeitarbeit eine der höchsten Tarifabdeckungen.