16.11.2020 | IW-Zeitarbeitnehmerbefragung: Zeitarbeit zu Unrecht in der Kritik

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) führte 2018/19 eine großangelegte Befragung von Zeitarbeitnehmern durch. Die Ergebnisse wurden heute veröffentlicht. Der Anstoß zu der möglicherweise größten je durchgeführten Befragung von Zeitarbeitnehmern durch das IW kam vom BAP, deshalb unterstützte der Verband das Institut bei der Durchführung. Nur durch die Hilfe der BAP- und später auch der iGZ-Mitgliedsunternehmen war es möglich, rund 8.300 Zeitarbeitnehmer zu befragen.

Mit Zeitarbeit aus der Arbeitslosigkeit

"Entgegen der landläufigen Meinung bietet Zeitarbeit langfristige Beschäftigungsperspektiven – und zwar auch denjenigen, die keine abgeschlossene Ausbildung haben", schreibt das IW. Sechs von zehn Zeitarbeitskräften haben eine Beschäftigung in der Branche aufgenommen, um ihre Arbeitslosigkeit zu beenden oder drohende Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Mehr als vier von zehn Zeitarbeitnehmern suchen dabei eine langfristige Beschäftigungsperspektive in der Zeitarbeit, bei der sich auch Entwicklungs- und Einkommensperspektiven eröffnen. So erhalten mehr als zwei Drittel der befragten Zeitarbeitskräfte Equal Pay oder Branchenzuschläge.

Höchstüberlassungsdauer hat negative Folgen

Allerdings wird durch die Zeitarbeitnehmerbefragung auch deutlich, dass die Höchstüberlassungsdauer die längerfristigen Perspektiven der Zeitarbeitskräfte einschränkt, statt sie zu fördern. Rund ein Drittel der Beschäftigten wird von Einsätzen abgezogen, obwohl sie den Einsatz gerne fortgesetzt hätten. In vier von zehn Fällen musste der Einsatz beendet werden, weil die Höchstüberlassungsdauer erreicht worden war. "Die Betroffenen müssen gezwungenermaßen ein vertrautes Umfeld mit gewachsenen sozialen Beziehungen verlassen. Die Höchstüberlassungsdauer droht manchen Zeitarbeiter direkt in die Arbeitslosigkeit zu schicken – obwohl sein aktueller Kundenbetrieb ihn weiter beschäftigen würde", warnt IW-Arbeitsmarktexperte und Studienautor Oliver Stettes.

In der Corona-Pandemie ist dieser Effekt noch stärker: Eine ungewollte Abmeldung in einem Einsatz erhöht das Risiko, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen, wenn angesichts der Folgen der Pandemie für die Auftragslage vieler Kundenunternehmen keine alternativen Einsätze erschlossen werden können.  Die Forderung des IW, die Höchstüberlassungsdauer zumindest temporär auszusetzen, ist somit ein naheliegender wie sinnvoller Schluss, denn die temporäre Aussetzung der Höchstüberlassungsdauer könnte die beschäftigungspolitische Funktion der Zeitarbeit in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie stärken.

zur Studie IW-Report 57/2020: IW-Zeitarbeiterbefragung 2019

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