Wussten Sie schon?

Dass „Leiharbeit" der völlig falsche Begriff für die Zeitarbeit ist?

Denn die „Leihe“ beschreibt einen ganz bestimmten Vertragstyp aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, nämlich die unentgeltliche Gebrauchsüberlassung einer Sache (§ 598 BGB). Doch bei der Überlassung eines Arbeitnehmers wird weder dessen „Gebrauch gestattet“ - wie es im BGB wörtlich heißt -, noch handelt es sich bei einem Arbeitnehmer um eine „Sache“. Außerdem ist die Zeitarbeit gewerblich und damit eben gerade nicht unentgeltlich. Es gibt also keinen Begriff, der weniger geeignet ist für die Beschreibung der Zeitarbeit als das Wort der „Leihe“.

Trotzdem wird immer wieder der Begriff „Leiharbeit“ für die Zeitarbeit gebraucht. Das hängt zum einen damit zusammen, dass in dem Spezialgesetz für die Zeitarbeit, dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), sachlich vollständig falsche Worte wie „Verleiher“ (= Zeitarbeitsunternehmen) oder „Entleiher“ (= Einsatzunternehmen) benutzt werden. Übrigens führt der Name dieses Spezialgesetzes dazu, dass die Zeitarbeit auch als Arbeitnehmerüberlassung  bezeichnet wird.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum immer wieder von „Leiharbeit“ die Rede ist. Der Begriff klingt nicht nur abwertend, er ist auch ganz bewusst genauso gemeint. Hauptsächlich Kritiker der Zeitarbeit benutzen deshalb dieses Wort – und tun damit sowohl den Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmern als auch den Personaldienstleistern Unrecht. Denn Zeitarbeitskräfte sind wahrlich keine Arbeitnehmer 2. Klasse, sondern engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen wichtigen und guten Job machen. Das gilt im Übrigen auch für die Zeitarbeitsunternehmen, die in Deutschland allen Pflichten eines Arbeitgebers unterliegen und deswegen Zeitarbeitskräfte auch bezahlen, wenn sie nicht arbeiten – zum Beispiel bei Urlaub oder Krankheit oder wenn es aktuell keine Kundenaufträge gibt. Bezahlt werden Zeitarbeitnehmer dabei nach Tarifverträgen, die die DGB-Gewerkschaften mit den Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeitsbranche abgeschlossen haben. Mit „Leihe“ hat Zeitarbeit also wirklich gar nichts zu tun.

Dass der BAP ein eigenes Qualifizierungsmodell für ungelernte Zeitarbeitskräfte hat?

Es hat den etwas sperrigen Namen „3-Stufen-Qualifizierungsmodell“, der aber sehr gut beschreibt, was damit passiert: Zeitarbeitskräfte ohne angeschlossene Berufsausbildung werden in Etappen an einen anerkannten Berufsabschluss herangeführt. Dabei setzt das BAP-Modell bei den Kompetenzen und Erfahrungen auf, die Zeitarbeitnehmer bei ihren Einsätzen in Kundenunternehmen erwerben, und unterfüttert sie mit theoretischem Wissen. Das geschieht über die eigens dafür entwickelte eLearning-Plattform ZetQ (www.ZetQ.de), auf die Zeitarbeitskräfte orts- und zeitunabhängig per Handy, Tablet oder PC zugreifen können.

Damit Zeitarbeitnehmer ihren Kompetenzzuwachs auch „beweisen“ können, erfolgt nach jeder der drei Stufen eine Prüfung bei einer anerkannten Prüforganisation. So stehen Zeitarbeitskräfte selbst bei Nichtbestehen der zweiten oder dritten Stufe nicht ohne Nachweis da. Bei den ersten beiden Stufen – dem „Fachhelfer“ und dem „Fachassistenten“ – arbeitet der BAP dabei mit dem TÜV Rheinland zusammen, der den erfolgreichen Abschluss mit einem Zertifikat bescheinigt. Die dritte Stufe – die „Fachkraft“ – wird mit der sogenannten Externenprüfung bei einer IHK oder einer Handwerkskammer abgeschlossen. So können ungelernte Zeitarbeitnehmer in drei Etappen und weitgehend berufsbegleitend einen offiziellen Berufsabschluss erreichen.

Aktuell können nur Verbandsmitglieder und ihre Mitarbeiter das 3-Stufen-Qualifizierungsmodell des BAP nutzen. Perspektivisch soll diese Weiterbildungsmöglichkeit aber für die ganze Zeitarbeitsbranche und auch für Kundenunternehmen der Personaldienstleister geöffnet werden. Damit leistet der BAP – entgegen der landläufigen Vorurteile – einen Beitrag zur Fachkräftesicherung, aber auch zur Beschäftigungsfähigkeit von Geringqualifizierten. Denn eins steht fest: Ohne entsprechende Qualifikationen wird es auf dem Arbeitsmarkt für Menschen immer schwerer werden.

Dass fast 80 Prozent der Zeitarbeitnehmer vollzeitbeschäftigt sind?

Um genau zu sein, handelt es sich um 78 Prozent der Zeitarbeitnehmer, die einer sogenannten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Das hat jedenfalls – ganz offiziell – die Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2015 festgestellt. Auf dem Gesamtarbeitsmarkt sind es dagegen nur 63 Prozent mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Vollzeit. Diese Zahlen zeigen einmal mehr: In der Arbeitnehmerüberlassung – so die offizielle Bezeichnung für die Zeitarbeit – dominiert Vollzeitbeschäftigung, und die Branche hat in diesem Bereich eine deutlich bessere Quote als der Arbeitsmarkt insgesamt.

Vergleichsweise wenig verbreitet sind in der Zeitarbeit auch Minijobs. Nur sieben Prozent der Zeitarbeitskräfte sind geringfügig Beschäftige, die nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen dürfen. In der Zeitarbeit ist also nur jeder 14. ein Minijobber, auf dem Gesamtarbeitsmarkt war es jedoch jeder Siebente. Genauso wie bei der Vollzeitbeschäftigung ist die Zeitarbeit auch hier deutlich „besser“ als der Gesamtarbeitsmarkt.

Was aber heißt genau Vollzeitbeschäftigung? In der Zeitarbeit sind das in der Regel 35-Wochen-Stunden, denn diese Arbeitszeit haben die DGB-Gewerkschaften mit den Arbeitgebern in ihren Tarifverträgen für die Branche vereinbart. Eine 34-Stunden-Woche wäre in der Zeitarbeit also schon eine Teilzeitstelle, wenn auch eine sogenannte „vollzeitnahe“.

Der BAP stellt mit einer neuen Publikation die Rahmenbedingungen für Zeitarbeit in den EU-Mitgliedsstaaten vor.

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