Wussten Sie schon?

Dass der BAP ein eigenes Qualifizierungsmodell für ungelernte Zeitarbeitskräfte hat?

Es hat den etwas sperrigen Namen „3-Stufen-Qualifizierungsmodell“, der aber sehr gut beschreibt, was damit passiert: Zeitarbeitskräfte ohne angeschlossene Berufsausbildung werden in Etappen an einen anerkannten Berufsabschluss herangeführt. Dabei setzt das BAP-Modell bei den Kompetenzen und Erfahrungen auf, die Zeitarbeitnehmer bei ihren Einsätzen in Kundenunternehmen erwerben, und unterfüttert sie mit theoretischem Wissen. Das geschieht über die eigens dafür entwickelte eLearning-Plattform ZetQ (www.ZetQ.de), auf die Zeitarbeitskräfte orts- und zeitunabhängig per Handy, Tablet oder PC zugreifen können.

Damit Zeitarbeitnehmer ihren Kompetenzzuwachs auch „beweisen“ können, erfolgt nach jeder der drei Stufen eine Prüfung bei einer anerkannten Prüforganisation. So stehen Zeitarbeitskräfte selbst bei Nichtbestehen der zweiten oder dritten Stufe nicht ohne Nachweis da. Bei den ersten beiden Stufen – dem „Fachhelfer“ und dem „Fachassistenten“ – arbeitet der BAP dabei mit dem TÜV Rheinland zusammen, der den erfolgreichen Abschluss mit einem Zertifikat bescheinigt. Die dritte Stufe – die „Fachkraft“ – wird mit der sogenannten Externenprüfung bei einer IHK oder einer Handwerkskammer abgeschlossen. So können ungelernte Zeitarbeitnehmer in drei Etappen und weitgehend berufsbegleitend einen offiziellen Berufsabschluss erreichen.

Aktuell können nur Verbandsmitglieder und ihre Mitarbeiter das 3-Stufen-Qualifizierungsmodell des BAP nutzen. Perspektivisch soll diese Weiterbildungsmöglichkeit aber für die ganze Zeitarbeitsbranche und auch für Kundenunternehmen der Personaldienstleister geöffnet werden. Damit leistet der BAP – entgegen der landläufigen Vorurteile – einen Beitrag zur Fachkräftesicherung, aber auch zur Beschäftigungsfähigkeit von Geringqualifizierten. Denn eins steht fest: Ohne entsprechende Qualifikationen wird es auf dem Arbeitsmarkt für Menschen immer schwerer werden.

Dass fast 80 Prozent der Zeitarbeitnehmer vollzeitbeschäftigt sind?

Um genau zu sein, handelt es sich um 78 Prozent der Zeitarbeitnehmer, die einer sogenannten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Das hat jedenfalls – ganz offiziell – die Bundesagentur für Arbeit für das erste Halbjahr 2015 festgestellt. Auf dem Gesamtarbeitsmarkt sind es dagegen nur 63 Prozent mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Vollzeit. Diese Zahlen zeigen einmal mehr: In der Arbeitnehmerüberlassung – so die offizielle Bezeichnung für die Zeitarbeit – dominiert Vollzeitbeschäftigung, und die Branche hat in diesem Bereich eine deutlich bessere Quote als der Arbeitsmarkt insgesamt.

Vergleichsweise wenig verbreitet sind in der Zeitarbeit auch Minijobs. Nur acht Prozent der Zeitarbeitskräfte sind geringfügig Beschäftige, die nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen dürfen. In der Zeitarbeit ist also nur jeder 13. ein Minijobber, auf dem Gesamtarbeitsmarkt war es jedoch jeder Siebente. Genauso wie bei der Vollzeitbeschäftigung ist die Zeitarbeit auch hier deutlich „besser“ als der Gesamtarbeitsmarkt.

Was aber heißt genau Vollzeitbeschäftigung? In der Zeitarbeit sind das in der Regel 35-Wochen-Stunden, denn diese Arbeitszeit haben die DGB-Gewerkschaften mit den Arbeitgebern in ihren Tarifverträgen für die Branche vereinbart. Eine 34-Stunden-Woche wäre in der Zeitarbeit also schon eine Teilzeitstelle, wenn auch eine sogenannte „vollzeitnahe“.

Dass durch Zeitarbeit keine Stammbelegschaft verdrängt wird?

Ganz im Gegenteil –  Zeitarbeit stärkt das Stammpersonal. Das haben unabhängig voneinander Untersuchungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit und des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) ermittelt. So heißt es etwa im Forschungsbericht des IAB im Auftrag der Bundesregierung, dass in Hinblick auf die Entwicklung der Stammbelegschaft „Kombinationen, in denen Unternehmen Leiharbeit auf Kosten der Stammbelegschaft auszubauen scheinen, von eher untergeordneter Bedeutung sind. Die Analyse von Substitutionsstrategien anhand von Konzernleihe deutet zudem darauf hin, dass es sich eher um prominente Einzelfälle als um ein Breitenphänomen handelt.“ Und eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung spricht sogar von „gefühlter Beschäftigungsunsicherheit“, weil sich eben keine Nachweise dafür finden ließen, dass durch Zeitarbeit Stammarbeitsplätze verdrängt werden.

Diese Befunde werden auch durch eine Studie des RWI im Auftrag der Bertelsmann Stiftung gestützt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass „die Befürchtung unbegründet“ ist, dass Kundenunternehmen in bedeutendem Umfang ihre Beschäftigten der Stammbelegschaft durch günstigere und einfacher zu entlassende Zeitarbeitnehmer ersetzen könnten.“ Der „sehr kritisch gesehene Aufbau von Zeitarbeit bei gleichzeitigem Abbau der Stammbelegschaft“ sei „nur sehr selten zu beobachten“. Dagegen käme „wesentlich häufiger […] die gegenteilige Kombination vor, bei der Zeitarbeitskräfte reduziert werden und gleichzeitig die Stammbelegschaft wächst.“ Die RWI-Studie kommt deshalb zum Ergebnis, „dass die Nutzung von Zeitarbeit ihrer wirtschaftspolitischen Intention entspricht und mit Effizienzgewinnen für die Unternehmen verbunden ist und damit sogar hilft, die Stammbelegschaft zu sichern oder gar zu erhöhen.“

Tatsächlich bauen die meisten Betriebe, die Zeitarbeitnehmer einsetzen, parallel auch ihre Stammbelegschaft auf. Nach Berechnungen des IAB reduzieren dagegen nur 2,0 Prozent der Unternehmen ihr Stammpersonal, wenn sie Zeitarbeitnehmer beschäftigen. Betriebe, die hingegen nicht auf das Mittel der Arbeitnehmerüberlassung zurückgreifen, mussten in Zeiten von Auftragsrückgängen eigenes Personal abbauen. Gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten trägt die Zeitarbeit somit zur Sicherung von Stammpersonal bei.

Der BAP stellt mit einer neuen Publikation die Rahmenbedingungen für Zeitarbeit in den EU-Mitgliedsstaaten vor.

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