Ersatz für die Stammbelegschaft?

Zeitarbeit verdrängt keine Stammbelegschaft. Denn Zeitarbeit wird lediglich von einem Bruchteil deutscher Unternehmen genutzt, dort auch nur in bestimmten Bereichen und in der Regel nur über einen begrenzten Zeitraum. Unterm Strich sind gerade einmal 2,3 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland Zeitarbeitnehmer – der Anteil der Zeitarbeit am gesamten Arbeitsmarkt ist also gering. Damit ist eine Verdrängung allein schon rechnerisch ausgeschlossen.

Kein Beleg in wissenschaftlichen Studien

Diese Frage wurde in einer Reihe von Studien aus wissenschaftlicher Perspektive eingehend betrachtet: Im Jahr 2007 ermittelten Forscher im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, dass Betriebe, die Zeitarbeit nutzen, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufbauen, während Nichtnutzer von Zeitarbeit Beschäftigung abbauen mussten. Die Zahlen legen nahe, so schlussfolgert die Stiftung, dass es "bislang keinen weitverbreiteten Trend gibt, vollzeitbeschäftigte Stammarbeitnehmer durch Leiharbeiter zu ersetzen". Austauschbeziehungen finden sich eher mit anderen Formen flexibler Beschäftigung: Befristungen oder geringfügiger Beschäftigung.

2009 kam das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (lAB) zu dem Ergebnis, dass im Zeitraum 2007 bis 2008 lediglich 2 Prozent der Betriebe die Nutzung von Zeitarbeit ausweiteten und gleichzeitig Stammbelegschaften abbauten. Auch die Konstanz der Stammbelegschaft bei gleichzeitigem Aufbau von Zeitarbeit oder der Abbau von Stammbelegschaften bei gleichzeitiger Konstanz der Zeitarbeit sind von "untergeordneter quantitativer Bedeutung".

Im Jahr 2012 untersuchte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung abermals die Entwicklung von Stammbelegschaften und Zeitarbeit in den Betrieben, diesmal für den Zeitraum 2008 bis 2009. Die Befunde stützen die Ergebnisse der früheren Untersuchungen: Nur 3 Prozent der Betriebe bauten Stammbelegschaften ab und verstärkten zugleich die Nutzung von Zeitarbeit. Umgekehrt stockten aber 24 Prozent der Betriebe Stammbelegschaften auf, während sie die Nutzung von Zeitarbeit einschränkten.

Zeitarbeit stärkt Stammpersonal

Eine Befragung durch das IW im Jahr 2010 hat ergeben, dass die Hälfte der Unternehmen zwischen 2009 und 2010 zusätzliches Personal eingestellt hat: Zeitarbeiter genauso wie feste Beschäftigte. Das heißt: Gerade die Unternehmen, die Zeitarbeit nutzen, haben auch ihre Stammbelegschaft aufgestockt. 18 Prozent der Betriebe haben sogar Zeitarbeit abgebaut und dafür bei den Stammbelegschaften zugelegt. Nur 19 Prozent der Befragten haben ihre Stammbelegschaften reduziert und gleichzeitig Zeitarbeit aufgebaut. Das heißt aber nicht, dass überall annähernd so viele Zeitarbeitnehmer eingestellt wurden, wie „feste Beschäftigte“ gehen mussten – dies war lediglich bei jedem 10. Unternehmen so.

Wie funktioniert eigentlich Zeitarbeit? Wo arbeiten Zeitarbeitnehmer und welche Rechte haben sie? Antworten auf diese Fragen finden Sie in unserem Videoclip.