IWF-Studie: Profitiert die deutsche Wirtschaft vom Flüchtlingszustrom?

Die deutsche Wirtschaft kann bis 2017 zusätzlich um 0,3 Prozent und bis 2020 sogar um 0,53 Prozent zulegen – sofern es dem Staat gelingt, die Flüchtlinge langfristig und effektiv in den Arbeitsmarkt zu bringen. Das sieht zumindest der Internationale Währungsfonds (IWF) so. Dieser ermittelte in einer aktuellen Studie, wie die europäischen Staaten, die den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen, in Hinblick auf ihre Wirtschaftsleistung von den Zuzüglern profitieren können, berichtet „Die Welt“.

Allerdings warnt die Organisation auch davor, dass die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt kein Selbstläufer sei. So habe es „die Politik […] also selbst in der Hand, aus der Flüchtlingskrise ein zweites deutsches Wirtschaftswunder zu machen“, heißt es in der „Welt“. In den vergangenen 40 Jahren ist die Arbeitsmarktintegration von Immigranten in Deutschland weniger positiv verlaufen, wie die Arbeitslosenrate der Gruppe zeigt. Diese war dem IWF-Forscher Robert Beyer zufolge im Jahr 2013 „mehr als doppelt so hoch wie bei der heimischen Bevölkerung“. Unterschiede existieren zudem bei den Löhnen, die bei Zuzüglern ohne Deutschkenntnisse um 30 Prozent niedriger ausfallen können als bei Einheimischen. Eine große Rolle spielt aber die Qualifikation. So stehen 66 Prozent hochqualifizierten Deutschen mit höherem Berufsabschluss lediglich 42 Prozent Immigranten mit gleicher Qualifikation gegenüber. Laut „Welt“ werde die Arbeitsmarktintegration bei „Immigranten aus Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Somalia, Eritrea und dem früheren Jugoslawien“ schwierig, da diese „im Schnitt weniger gut qualifiziert“ sind „als die heimische Bevölkerung oder andere Immigranten“. Positiv sei aber, dass 21 Prozent der zwischen 2013 und 2014 eingewanderten Syrer eine Hochschulausbildung haben – ein ähnlich hoher Anteil wie der der Deutschen.

Obwohl der Einfluss des Flüchtlingsstroms auf die Arbeitslosenquote in Deutschland mit 0,16 Prozent bis zum Jahr 2020 gering bleibe, warnt der IWF „vor zu viel Euphorie“, schreibt „Die Welt“. Weiter heißt es: „Wer glaubt, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt laufe wegen des Fachkräftemangels in Deutschland fast wie von allein, sei ‚naiv‘, sagt IWF-Forscherin Enrica Detragiache. ‚Es wird einige Zeit dauern, um die Immigranten fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu machen.‘“ So soll auch die finanzielle Verschuldung Deutschlands in Zukunft zunehmen. Die IWF-Forscher erwarten der Zeitung zufolge einen Anstieg von 0,77 Prozentpunkten im Jahr 2020. Jedoch könne sich Deutschland die Mehrausgaben „locker leisten“, was der kürzlich erwirtschaftete Haushaltsüberschuss von zwölf Milliarden Euro eindrucksvoll demonstriere.

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Ulrike Heine
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