Befristungen im Öffentlichen Dienst höher als in der Privatwirtschaft

Ein sicherer Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst? Was früher galt, ist heute längst nicht mehr selbstverständlich. Dies liegt vor allem am steigenden Anteil an Befristungen, die im Staatsdienst zur Normalität geworden sind. Nach Angaben des Bundesministeriums des Innern (BMI) erhalten 45,2 Prozent aller neu eingestellten Beschäftigten im Öffentlichen Dienst einen befristeten Vertrag. Am häufigsten trifft es Berufsanfänger, berichtet „Die Welt“.

Gut die Hälfte der 25- bis 34-jährigen Neueinsteiger im Staatsdienst wird befristet eingestellt. Bei den unter 25-Jährigen ist es fast ein Fünftel, schreibt die Zeitung. Auch die Dauer der Befristungen hat sich der „Welt“ zufolge „in den vergangenen zehn Jahren für die 25- bis 34-Jährigen von 31 auf 58,5 Monate nahezu verdoppelt“. Beschäftigte im Staatsdienst werden damit „fast fünf Jahre“ länger für einen begrenzten Zeitraum eingestellt – dreieinhalb Jahre länger als in der Privatwirtschaft. Befristete Arbeitsverhältnisse werden in einigen Behörden jedoch „grundsätzlich“ mit dem Ziel abgeschlossen, Beschäftigte zu übernehmen, zitiert „Die Welt“ das BMI. Die Chancen auf Übernahme im Öffentlichen Dienst seien aber „geringer als in der Privatwirtschaft. 2014 wurden in den Unternehmen 41,5 Prozent der Befristeten übernommen, in den Behörden waren es dagegen nur 32 Prozent“, heißt es weiter.

Die Gründe für den Abschluss befristeter Arbeitsverträge sieht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) in den wenigen Kündigungen, die im öffentlichen Sektor erfolgen. „Im Öffentlichen Dienst wird mehr befristet, aber es gibt weniger Kündigungen als in der Privatwirtschaft“, erklärt Christian Hohendanner, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Berufsforschung im IAB, in der „Welt“. So werden betriebsbedingte Entlassungen kaum vorgenommen. Um jedoch „eine flexible und bedarfsabhängige Anpassung des Personalbestands an sich verändernde Arbeitsvolumina und Aufgabenfelder zu ermöglichen“, werden Befristungen erforderlich, zitiert die Zeitung aus einer IAB-Studie zur Entwicklung und Motiven der befristeten Beschäftigung im Staatsdienst. Hohendanner zufolge spielten auch „Vertretungsbefristungen“ wie in der Elternzeit oder in Krankheitsfällen eine Rolle. Im Vergleich zur Privatwirtschaft werde zudem selten auf „andere flexible Erwerbsformen wie etwa Minijobs, Leiharbeit, Praktika oder freie Mitarbeit“ im Öffentlichen Dienst zurückgegriffen.

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Ulrike Heine
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