BA-Vorstand Detlef Scheele: "Viele Menschen hätten keine Arbeit, gäbe es keine Zeitarbeit"

"Treffpunkt"-Veranstaltung des BAP-Ausschusses Zukunftsvertrag Zeitarbeit zeigt Potenziale der Branche auf.

v.l.n.r.: Holger Schäfer (Senior Economist am IW Köln), Christina Marx (Leiterin Aufklärung von Aktion Mensch e.V.), Moderatorin Tanja Samrotzki, Detlef Scheele (Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit), BAP-Vizepräsidentin Heide Franken und BAP-Geschäftsführerin Julia Große-Wilde. Foto: BAP/ Thomas Rosenthal

Bei der Integration in den und der Orientierung am Arbeitsmarkt leistet die Zeitarbeit seit Jahren einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. Das betonten alle Redner auf der gestrigen Veranstaltung „Treffpunkt“ des Zukunftsvertrags Zeitarbeit des BAP unter dem Titel „Wir erschließen Potenziale – Aktuelle Herausforderungen für den Arbeitsmarkt“. Doch welche Folgen werden die geplanten Regulierungsvorhaben der Bundesregierung für die Branche haben? Und welche Auswirkungen für den Arbeitsmarkt könnten entstehen? Das waren einige Fragen, denen der „Treffpunkt“ nachging.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte die Ausschuss-Vorsitzende und BAP-Vizepräsidentin
Heide Franken die Zuhörer im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin. Moderatorin Tanja Samrotzki stellte die Referenten und ihre Themen vor und führte durch die Veranstaltung.

Holger Schäfer, Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln), erläuterte Entwicklungen und Perspektiven in der Zeitarbeit. Der Arbeitsmarktexperte ging dabei auch auf die anstehenden Regulierungen der Branche ein. Für Schäfer sind die Absichten der Bundesregierung, die Höchstüberlassungsdauer auf 18 Monate zu begrenzen und parallel dazu Equal Pay flächendeckend einzuführen, nicht nachvollziehbar. Das Schutzbedürfnis der Zeitarbeitnehmer in den vergangenen Jahren habe nicht zugenommen, sodass die gleichzeitige Einführung von Höchstüberlassungsdauer und Equal Pay schlichtweg „unsinnig“ sei. Dank der bereits bestehenden Branchenzuschlagstarifverträge sei außerdem schon eine adäquatere Lösung gefunden, sodass keine Notwendigkeit bestehe, eine „Fallbeilregelung“ durch Equal Pay nach neun Monaten herbeizuführen. Auch werde der Wirtschaft mit den anstehenden Maßnahmen die Flexibilität deutlich beschnitten, die jedoch wegen der bevorstehenden Änderungen des Arbeitsmarktes aufgrund von Fachkräfteengpässen und Digitalisierung immer wichtiger werde. In Hinblick auf den Flüchtlingszustrom müssten der Zeitarbeit zudem „die gleichen Rechte eingeräumt werden wie anderen Branchen auch“, betonte Schäfer.

Detlef Scheele, Vorstand Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit (BA), sprach im Anschluss über Zeitarbeit als Chancengeber und Netzwerkinstrument. Dabei stand die Integration von Benachteiligten am Arbeitsmarkt wie Langzeitarbeitslosen und Flüchtlingen im Vordergrund. Die Zeitarbeit leiste einen „Beitrag für Menschen, die es etwas schwerer am Arbeitsmarkt haben“, so Scheele. Der BA-Vorstand verwies darauf, dass die Branche diesen Gruppen „vielfältige Beschäftigungsperspektiven“ sowie meist auch die einzige Möglichkeit auf Arbeit biete. Wörtlich sagte er: „Viele Menschen hätten keine Arbeit, gäbe es keine Zeitarbeit“. Mitarbeiter könnten dank einer Tätigkeit in der Zeitarbeit flexibler und anpassungsfähiger auf Herausforderungen am Arbeitsmarkt reagieren. Im Gegensatz zu Schäfer sprach sich Scheele trotz der Weiterentwicklung der Branche, die sehr wohl zur Kenntnis genommen worden sei, für „ein bisschen Regulierungen“ aus, um „ein Mindestmaß an Verlässlichkeit“ im Erwerbsleben von Arbeitnehmern zu garantieren. Angesichts des Flüchtlingszustroms könne die Zeitarbeit der Bundesagentur für Arbeit „sehr helfen, die Integration in Arbeit zu befördern“, indem sie beispielsweise bei der „Kompetenzfeststellung“ helfe.

Christina Marx, Leiterin Aufklärung von Aktion Mensch e.V., stellte zum Abschluss der „Treffpunkt“-Veranstaltung die Inklusion als Chance vor. Leider herrschten noch immer „viele Barrieren im Kopf“ der Menschen und Unkenntnis über Fördermöglichkeiten der Unternehmen bei der Einstellung beeinträchtigter Personen. Aus Gesprächen mit Arbeitgebern berichtete Marx, dass gut drei Viertel keinerlei Unterschiede in der Qualifikation Behinderter und nicht Behinderter feststellten. Die Zeitarbeit könne dazu beitragen, beeinträchtigten Personen, die oftmals auch Langzeitarbeitslose seien, einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu bieten. In diesem Zusammenhang verwies Marx auf den digitalen Ansatz des Drei-Stufen-Qualifizierungsmodells des BAP, das Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung in Etappen an einen Abschluss heranführt, und lobte diesen Ansatz als „tolles Instrument“, um auch Menschen mit Behinderung „fit für den ersten Arbeitsmarkt“ zu machen.

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Mehrmals im Jahr veröffentlicht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) exklusiv für den BAP aktuelle Zahlen zur Zeitarbeit in Deutschland. Die Ausgaben finden Sie hier.