Arbeitskosten in Deutschland steigen – IW Köln warnt vor sinkender Wettbewerbsfähigkeit

Im ersten Halbjahr 2015 stiegen die Arbeitskosten in Deutschland um drei Prozent. Damit fiel der Zuwachs hierzulande stärker aus als in der Europäischen Union mit 2,2 Prozent und im Euro-Raum mit 1,7 Prozent. Grund für den Anstieg sei der seit Jahresbeginn geltende Mindestlohn, wie aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln) warnt hingegen vor „langfristigen“ Auswirkungen, sollten sich Löhne und Preise weiter unterschiedlich stark entwickeln.

Nach Angaben des IMK lagen die Arbeitskosten in Deutschland im vergangenen Jahr bei 31,90 Euro. Mit diesem Ergebnis bewege sich Deutschland weiter im „oberen Mittelfeld“, wird IMK-Direktor Gustav Horn in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Dem Institut zufolge sind die Kosten in Dänemark mit 42,10 Euro am höchsten. Auch Belgien, Schweden, Luxemburg, Frankreich, die Niederlande und Finnland lägen in punkto Arbeitskosten vor Deutschland, heißt es weiter.

Dem IW Köln zufolge erhöhten sich die Tarifverdienste seit 2008 „je Stunde um knapp 17 und die tatsächlich gezahlten Bruttoverdienste sogar um fast 21 Prozent“, wie es auf der Website des Instituts heißt. Auch die Produktion legte zu, jedoch nur um 4,3 Prozent, womit „sich die Lohnsteigerungen von der Produktivitätsentwicklung abgekoppelt“ hätten. So positiv die Auswirkungen auch seien – Verbraucher verfügten real über mehr Geld, womit die Konsumlaune stieg – werde die unterschiedliche Lohn- und Preisentwicklung laut IW jedoch „langfristig“ Probleme aufwerfen. Dem Institut zufolge bedeutet dies, „Unternehmen werden dann gezwungen sein, ihre Preise anzuheben“. Dies schwäche wiederum die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und senke die Nachfrage nach deutschen Produkten.

So empfiehlt das Kölner Institut den Gewerkschaften „in den kommenden Tarifverhandlungen wieder stärker auf die Kostenentwicklung zu schauen“. Horn hingegen hält die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands „nach wie vor für hoch“, heißt es in der „Süddeutschen Zeitung“. So spricht sich der IMK-Direktor auch dafür aus, weitere Lohnerhöhungen von gut drei Prozent vorzunehmen, „um die Binnennachfrage zu stärken und die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa auszugleichen“.

Wichtiger Hinweis:
Die Weitergabe der persönlichen LogIn-Daten an Dritte ist untersagt. Bei Zuwiderhandlung behält sich der BAP entsprechende rechtliche Schritte vor.

Artikel teilen:

zurück

Pressekontakt

Photo of Ulrike  Heine

Ulrike Heine
Tel. +49 30 206098 -30
Fax +49 30 206098 -39

Mehrmals im Jahr veröffentlicht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) exklusiv für den BAP Zahlen zur Zeitarbeit in Deutschland.